Vor hundert Jahren stellten sich österreichische Klubs erstmals im Rahmen einer eigenen Liga dem sportlichen Vergleich. In unserer Reihe weltfussball history blicken wir darauf zurück, was den Enthusiasten des neuen Sports vor genau hundert Jahren über den Saisonauftakt der Fußball-Pioniere berichtet wurde.

Die 1. Klasse des niederösterreichischen Fußballverbandes startete am 27. August 1911 mit zwei Spielen. Der Wiener Sport-Club begrüßte den traditionsreichen Vienna Cricket & Football Club, der erst vor kurzem gegründete Wiener AF trat gegen den FAC an. Während die Dornbacher beim Treffen mit den Cricketern nur ein 1:1 erspielten, siegte der Titelfavorit WAF klar mit 3:1 gegen die Kicker aus Floridsdorf.

Beim Match WSC gegen Cricketer mussten im Vorfeld beide Teams einige Leistungsträger vorgeben. Besonders der Ausfall der Dornbach-Ikone Arthur Wackenreuther ließ die Siegeschancen der Gäste steigen. Diese waren ihrerseits allerdings durch die im Herbst 1910 erfolgte Abspaltung des nunmehrigen Wiener Amateur Sportvereins geschwächt.

In einem kampfbetonten Spiel überzeugte aber der WSC von Anfang an mit seiner überlegenen Technik, die schwarz-blauen Cricketer versuchten mit Kampfkraft den Gegner zu stören. Nach der Führung für die Dornbacher konnten die Kicker aus dem Prater doch noch den Ausgleich erkämpfen. Am Ende mussten sich beide Teams mit einer Punkteteilung zufrieden geben.

Zeitgleich startete auch der Wiener Association Football-Club (kurz WAF, es handelte sich dabei um eine Abspaltung des Wiener Athletiksport Club, WAC) gegen den Floridsdorfer AC in die Meisterschaft. Die Kicker aus Hütteldorf konnten am Cricketerplatz ihre Favoritenrolle bestätigen, gewannen gegen die damaligen "Nobodys" aus dem Norden klar mit 3:1. Die Gäste begannen zwar druckvoll, letztendlich setze sich dann doch die Klasse des WAF deutlich durch. Nicht zuletzt deshalb, weil beim WAF die zu dieser Zeit führenden Fußballer unter Vertrag standen: Der Schwechater Engelbert König, Filigrantechniker Adolf Fischera, die stets solide spielenden Tekusch-Brüder oder der spätere internationale Startrainer "Little" Dombi.

Somit war der WAF erster Tabellenführer der eben erst aus der Taufe gehobenen Liga. Die Premiere erfolgte freilich als Rumpfrunde, schließlich spielten die teilnehmenden Klubs noch nicht nach einem strengen Spielplan, wie wir ihn heute kennen. Am Ende der Saison gab es eine Überraschung: Da holten nämlich die Kicker eines gewissen Sport Club Rapid die Meisterschaft - 31 weitere sollten bis heute folgen.

>> Ehrentafel aller Meister der höchsten Spielklasse

Christian Schreiber