Auf den Färöern stand an diesem Wochenende die Meisterschafts-Entscheidung an. Am letzten Spieltag konnten sich noch zwei Teams die Krone aufsetzen. Verfolger Streymur hoffte auf eine Überraschung beim Torshavn-Stadtderby. Mit dabei: ein alter Bekannter.  

picDas Wetter ist ein launisches Wesen, besonders auf den Färöern. Das musste vor einigen Wochen Joseph Blatter am eigenen Leib erleben. Nach der Einweihung eines Kunstrasenplatzes auf Grönland wollte der FIFA-Präsident den 18 Inseln im Nordatlantik einen Besuch abstatten, musste aber wegen der widrigen Wetterbedingungen stattdessen Kopenhagen ansteuern. Mehr Glück hatte Michel Platini: Der höchste europäische Fußballfunktionär landete am Samstag auf dem Flughafen von Vágar und erlebte auf Einladung des färöischen Fußballverbands am Nachmittag das packende Saisonfinale der Vodafonedeild.

Dabei war die Ausgangslage klar: HB Tórshavn (51 Punkte, Tordifferenz +16) reichte im Hauptstadtderby gegen den ewigen Rivalen B36 Tórshavn ein Unentschieden, um sich den Titel zu sichern. EB/Streymur (48 Punkte, Tordifferenz +33) lag 3 Punkte hinter den Schwarz-Roten, musste auf heimischem Rasen in Streymnes gegen B68 Toftir gewinnen und auf eine Niederlage des Tabellenführers hoffen.

Rekordkulisse sorgt für Augenzwinkern

Rund 3000 erwartungsfrohe Zuschauer strömten ins beschauliche Stadion Gundadalur im Norden der Hauptstadt und sorgten für die absolute Saisonrekordkulisse. Kaum war der Anstoß erfolgt, brandete lauter Jubel auf: Konkurrent EB/Streymur lag bereits nach 1 Minute mit 0:1 gegen Toftir zurück. Und es kam noch besser: Keine 7 Minuten waren gespielt, da drückte Kapitän und Nationalspieler Fróði Benjaminsen eine Ecke zur Führung von HB über die Linie.

Als Hendrik Rubeksen nach 40 Minuten auf 2:0 erhöhte, schien der Meistertitel schon perfekt. Doch 3 Minuten später wurde es wieder spannend: Christian R. Mouritsen schloss einen Konter mit einem wuchtigen Schuss unter die Querlatte ab und verkürzte auf 1:2. Auch EB/Streymur hatte wieder in die Spur gefunden und gegen B68 Toftir ausgeglichen. Die Blitztabelle sah HB zur Pause dennoch mit 5 Punkten vorn.

Streymur dreht Partie

EB/Streymur erwischte den besseren Start in die 2. Hälfte: Sorin Anghel brachte die Blau-Schwarzen nach 53 Minuten mit 2:1 in Front. Nun richteten sich alle Augen auf das Hauptstadtderby: Konnte B36 die Partie noch drehen? Die Elf von Trainer Allan Mørkøre bemühte sich nach Kräften und dominierte die 2. Hälfte, konnte das Tor von Marcin Dawid aber nur selten in Gefahr bringen. So tickte die Uhr herunter, und auch das späte 3:1 für EB/Streymur konnte nichts mehr ändern: HB Tórshavn brachte das 2:1 über die Zeit und feiert den 21. Meistertitel seiner Geschichte.

Dass es nicht einfach war, gab auch Meistertrainer Julian Hansen, der nach 21 Spielen den Isländer Kristján Guðmundsson abgelöst hatte, gegenüber dem Internetportal sportal.fo zu: „B36 war heute die bessere Mannschaft. Aber gleichzeitig ist es toll zu sehen, welche Moral wir gezeigt haben. Das hat uns den Sieg und letztendlich den Meistertitel gebracht“, freute sich Hansen. Der Lohn für die Mühe: UEFA-Präsident Michel Platini überreichte höchstpersönlich die Siegermedaillen und den Pokal an die frischgebackenen Meisterspieler. Ob Joseph Blatter in diesem Moment wohl seinem ausgefallenen Besuch auf die Färöer nachgetrauert hat?


Matthias Leisner

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