09.02.2017 11:05 Uhr

Sensationsteam Alavés muckt wieder auf

Bei Deportivo Alavés wird wieder gejubelt
Bei Deportivo Alavés wird wieder gejubelt

Deportivo Alavés ist wieder da! Das baskische Sensationsteam, welches 2001 bis in Finale des UEFA-Cups gestürmt war, steht völlig überraschend im Endspiel der spanischen Copa del Rey. Dort wartet nun am 27. Mai der FC Barcelona. Dabei werden Erinnerungen an einen unglaublichen Höhenflug wach.

Alavés? Noch nie gehört! So erging es Ende der 90er-Jahre reihenweise den europäischen Fußballfans. Die Europacup-Starter aus der spanischen Primera División waren sonst klingende Namen, aber Alavés hatte niemand bei den Auslosungen der UEFA-Bewerbe auf seiner Rechnung.

Ein sechster Platz in der Endwertung von "La Liga" in der Saison 1999/2000 hatte den Geographie-Unterricht für die Freunde des runden Leders erweitert. Hinter Meister Deportivo La Coruña, dem FC Barcelona, Valencia CF, Real Zaragoza und Real Madrid kam so Alavés zum europäischen Debüt.
>> Der Endstand der spanischen Liga in der Saison 1999/2000

Alavés-Torhüter Martín Herrera war mit nur 37 Gegentreffern in 38 Ligspielen zum Schrecken der gegnerischen Sturmreihen geworden. Die "Trofeo Zamora" war dafür der gerechte Lohn und in der kommenden Saison sollten sich auch international die Kontrahenten am Abwehrbeton der "Nobodys" reihenweise die Zähne ausbeißen.

In elf Jahren vom Viertdivisionär bis ins UEFA-Cup-Finale

Gaziantepspor, Lillestrøm SK, Rosenborg BK, Inter, Rayo Vallecano und der 1. FC Kaiserslautern machten allesamt schmerzlich Bekanntschaft mit den Basken. Am 16. Mai 2001 wartete deshalb beim Finale des UEFA-Cups gegen Liverpool der Höhepunkt der Vereinsgeschichte.

In elf Jahren war der Außenseiter wie eine Rakete von der vierten Liga bis ins Europacup-Endspiel aufgestiegen. Athletic Bilbao und Real Sociedad waren weit über das Baskenland hinaus bekannt Namen. Aber Alavés? Der am 23. Jänner 1921 gegründet Verein aus Vitoria-Gasteiz war außerhalb von Spanien niemand ein Begriff.

Auch der knapp 250.000 Einwohner fassenden Hauptstadt der autonomen Region Baskenland und der Provinz Araba erging es nur wenig besser. Die "Babazorros" aber brachten ihre Heimat auf die europäische Landkarte.

"El Glorioso" so wurde Alavés gefeiert, als man 1998 nach 42 Jahren Abwesenheit wieder ins spanische Oberhaus zurückgekehrt war. In der ersten Saison kämpfte man noch gegen den Abstieg und schaffte mit Rang 16 gerade noch den Klassenerhalt. Doch schon ein Jahr später gewann man sensationell im Nou Camp und auch im Estadio Santiago Bernabéu.

Neun Tore - ein Europacup-Finale für die Ewigkeit

Erfolgscoach Mané wusste als echter Baske, wie er seine Schützlinge beim Stolz packen konnte. Die Underdogs aus der Provinz hatten aber auch international klingende Namen wie den rumänischen Offensivverteidiger Cosmin Contra, den norwegischen Abwehrrecken Dan Eggen oder Jordi Cruyff.

Zusammen mit Torjäger Javi Moreno, der am Saisonende mit 22 Treffern auf Platz drei der spanischen Schützenliste hinter den Superstars Raúl (24 Tore) und Rivaldo (23 Treffer) landen sollte. Eine perfekte Mischung. "Wer meint, wir hätten vor Liverpool Angst, der irrt. Wir geben unser Herz und unsere Seele für diesen Titel. Wir sind bereit der Fußball-Welt zu zeigen, dass auch kleine Vereine erfolgreich sein können", kündigte Alavés-Trainer Mané bereits vor dem Endspiel an.

Es wurde ein Europacup-Finale für die Ewigkeit. Obwohl die Fans aus dem Baskenland gegenüber den Liverpool-Schlachtenbummlern im mit 65.000 Zuschauern ausverkauften Westfalenstadion hoffnungslos unterlegen waren, bot ihre Mannschaft eine unglaubliche Partie.

Bereits zur Pause schien beim Stand von 3:1 für die Reds alles entschieden. Treffer von Markus Babbel (4.), Steven Gerrard (16.) und Gary McAllister (41./Elfmeter) sowie ein Gegentor von Iván Alonso (27.). Was sollte da noch passieren? Zum Beispiel ein Doppelschlag von Alavés-Torjäger Javi Moreno in der 48. und 51. Minute zum 3:3-Ausgleich. Robbie Fowler ließ Liverpool mit dem 4:3 erneut über die Führung jubeln (73.), aber kurz vor Schluss traf Jordi Cruyff zum 4:4 und brachte seine Mannschaft damit in die Verlängerung (89.).

Der Wahnsinn ging weiter. Erst der französische Schiedsrichter Gilles Veissière zog dem Außenseiter mit Gelb-Rot für Wechselspieler Magno (99.) und Kapitän Karmona (116.) den Nerv. Ausgerechnet ein Eigentor von Geli in der 117. Minute kostete Alavés als "Golden Goal" den Gang ins Elfmeterschießen. Am Ende blieben neun Tore, Begeisterung bei den Siegern und Entsetzen bei den Verlierern.

Bei den neutralen Fans hatte Alavés aber ebenso gewonnen. 16 Jahre später greift der Außenseiter nun im Finale der Copa del Rey gegen den FC Barcelona erneut nach der Sensation. Die aktuellen Helden von Chefcoach Mauricio Pellegrino sind Keeper Fernando Pacheco, Abwehrchef Victor Laguardia, Kapitän Manu García und Goalgetter Deyverson. Der Triumph im Halbfinal-Rückspiel gegen Celta Vigo führte im Estadio de Mendizorroza zu besonderen Szenen.

Vor dem Endspiel gegen die Katalanen wird man die Alavés-Spieler an die Heldentaten ihrer Vorgänger erinnern und ihr Trainer vielleicht von seiner Vergangenheit als Liverpool-Verteidiger erzählen.

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Christian Tragschitz

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