20.03.2017 08:00 Uhr

Der vergessene ÖFB-Torjäger

Martin Pušić zeigt auch bei Sparta Rotterdam seine Torjäger-Qualitäten
Martin Pušić zeigt auch bei Sparta Rotterdam seine Torjäger-Qualitäten

Ein Österreicher mit Oberhaus-Toren in den Niederlanden, Dänemark und Norwegen. Treffern im Europacup und vor zwei Jahren sogar Torschützenkönig. Die Geschichte eines vergessenen ÖFB-Legionärs. Martin Pušić zeigt am Wochenende mit einem Doppelpack für Sparta Rotterdam nun auch in der Eredivisie seine Torjäger-Qualitäten. Für einen Platz im rot-weiß-roten Aufgebot hat es bis jetzt aber noch nie gereicht.

Guido Burgstaller, Michael Gregoritsch und Marc Janko: So lautet das ÖFB-Sturmtrio im Kader von Teamchef Marcel Koller, wenn das Nationalteam am Montag die Vorbereitung auf das WM-Qualfikationsspiel gegen Moldau und das freundschaftliche Länderspiel gegen Finnland startet.

An einem "Burgknaller" in Hochform auf Schalke kam selbst ein be­ratungsre­sis­tenter Schweizer nicht vorbei. Gregoritsch Junior war mit neun Treffern bester Torschütze der U21-EM-Qualifikation und wurde seinem Trainer-Vater vom A-Teamchef ausgerechnet vor der entscheidenden Phase "ausgespannt". Janko mit 28 Treffern mittlerweile auf Platz vier der ewigen ÖFB-Torjägerliste ist in der Koller-Ära ohnehin gesetzt, selbst wenn er nicht fit sein sollte, wie bei der Europameisterschaft schmerzlich erlebt.

Mit Sturm-Torjäger Deni Alar und Ingolstadt-"Joker" Lukas Hinterseer hält selbst die Abruf-Liste noch namhafte Alternativen bereit. Fest steht jedoch auch: Alle fünf Kandidaten blieben am Wochenende bei ihren Vereinen ohne Tor. In den Niederlanden trug sich indes ein Österreicher gleich doppelt in die Schützenliste ein: Martin Pušić. Doppelpack beim 3:1-Heimsieg von Sparta Rotterdam gegen Heracles Almelo. Zweimal Köpfchen bewiesen. Standing ovations bei der Auswechslung kurz vor Schluss.

Nach der Partie zeigte sich der Matchwinner dennoch bescheiden: "Die zwei Tore sind natürlich sehr nett nach einer längeren Pause. Man muss sich immer an neue Herausforderungen gewöhnen, aber die Liga in den Niederlanden kommt mir sehr entgegen, weil hier viel Wert auf Technik gelegt wird."

Auch als Torschützenkönig nicht gut genug? 

Martin Pušić? Nie gehört. So erging es dem mittlerweile 29-jährigen Wiener nicht nur beim Fragesteller seines TV-Interviews, sondern auch zu Beginn seiner Legionärs-Laufbahn oft genug. Über den Nachwuchs der Vienna und der Austria schaffte er in der Saison 2005/06 den Sprung in den Erwachsenen-Bereich. Als 18-Jähriger debütierte er in der Regionalliga Ost für den ältesten Fußballverein Österreichs und blieb bis Sommer 2007 in Wien-Döbling.

Dann wechselte er von der Vienna zum ASK Schwadorf, Admira Wacker und Altach. Doch bei keiner seiner Stationen in der Heimat wurde er so richtig glücklich. 2011 wagte er bei Hull City das erste Auslands-Abenteuer. Es sollte seine bisher einzige Vereins-Station ohne Treffer bleiben. Weit besser lief es in der Folge in Norwegen bei Vålerenga, Fredrikstad und dem SK Brann. Seine Tore wurden auch in Dänemark registriert und im Jänner 2014 holte íhn Esbjerg fB als neue Sturm-Hoffnung.

Schon beim persönlichen Europacup-Debüt trug er sich gegen Fiorentina wie gewohnt in die Schützenliste ein und unterstrich dies in der Folge auch in der dänischen Superliga. Der tiefe Glaube des Goalgetters sollte aber bald noch größere Aufgaben mit sich bringen.

Der Wechsel zum FC Midtjylland für die Frühjahrssaison 2015 wurde zum bisherigen Karriere-Höhepunkt in seiner Laufbahn. Am Ende durfte der Außenseiter gegen den FC København sensationell über den Meistertitel jubeln und der Torschützenkönig der dänischen Superliga 2014/15 hieß Martin Pušić.

Lohn in der folgenden Saison waren Europacup-Duelle mit u.a. Southampton, Napoli (natürlich mit Pušić-Treffer) und Manchester United. In der dänischen Torschützenliste mischte er erneut im Vorderfeld mit, doch in der Herbstsaison 2016 reichte es zu lediglich zwei Treffern in zwölf Liga-Einsätzen. Von Midtjylland ging es deshalb leihweise bis Saisonende in die Niederlande zu Sparta Rotterdam.

Dort durfte er schon einen Derbysieg gegen Spitzenreiter Feyenoord bejubeln und am Samstagabend auch endlich seine persönliche Visitenkarte abgeben. Nun kennt man auch in der Eredivisie die Strafraum-Qualitäten des Martin Pušić. Im österreichischen Nationalteam wird ein Spieler mit Jahrgang 1987, der am 24. Oktober seinen 30. Geburtstag feiert, nicht mehr als Zukunftshoffnung durchgehen.

Vor der U20-WM 2007 in Kanada erhielt der damalige Vienna-Stürmer bei der Vorbereitung in Lindabrunn eine Chance sich zu präsentieren. Es blieb bei einem Kennenlernen. Nicht zuletzt die Mühlen der Bürokratie verhinderten eine Teilnahme am Abenteuer Weltmeisterschaft, welches mit dem Semifinal-Einzug und Platz vier endete. Denn Pušić war kroatischer Staatsbürger und musste auf seinen österreichischen Pass warten. Mehr als ein Jahrzehnt später bleiben einem vergessenen ÖFB-Legionär weiter "nur" seine Tore, um auf sich aufmerksam zu machen.

Mehr dazu:
>> Die Vereinsspiele und Tore von Martin Pušić im Überblick
>> Ergebnisse und Tabelle der niederländischen Eredivisie

Christian Tragschitz

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