21.04.2017 17:00 Uhr

Austria: Die Baustelle neben der Baustelle

Franz Wohlfahrt ist derzeit als Kader-Baumeister gefordert.
Franz Wohlfahrt ist derzeit als Kader-Baumeister gefordert.

In Wien-Favoriten wird eifrig an der neuen Austria-Heimstätte gebaut. Es ist nicht die einzige Baustelle der Veilchen. Sportdirektor Franz Wohlfahrt arbeitet am Kader für die nächste Saison.

Baustellenbesichtigung in Wien-Favoriten. Stolz zeigen die Austria-Verantwortlichen wie Unmengen Beton zu neuen Tribünen wachsen. Vorstand Markus Kraetschmer referiert über Zahlen, der Bau liege zeitlich und budgetär im Plan. Sportdirektor Franz Wohlfahrt ist ebenfalls mit dabei und posiert ebenso wie Trainer Thorsten Fink vor den Pressefotografen für stilechte Bilder.

Franz Wohlfahrt darf sich dieser Tage ebenfalls als Baumeister bezeichnen. Im übertragenen Sinn, seine Baustelle heißt Kader für die nächste Saison. "Die Planung für die Meisterschaft 17/18 fängt ja eigentlich schon ein Dreivierteljahr vorher an. Man weiß, welche Verträge auslaufen und hat gewisse Tendenzen." Diese halten sich eigentlich lang, können sich aber auch ändern.

Mit Saisonende enden die Kontrakte von sieben Spielern. Innenverteidiger Lukas Rotpuller wurde bereits ein Angebot zur Verlängerung vorgelegt. Mit Benfica soll die Kaufoption für Stürmer Kevin Friesenbichler nachverhandelt werden. Die restlichen Akteure fallen wohl in die Kategorie Ergänzungsspieler. Der Spanier David de Paula als wertvoller Allrounder ist hier sicher ein Härtefall.

Im Laufe der aktuellen Saison hat die Austria ihr anfänglich zu großes Legionärskontingent reduziert. Dieser Trend wird fortgesetzt. "Ich muss mich an Verträge aus vor meiner Zeit halten. Jetzt laufen einige von Nicht-Österreichern aus. Diese Positionen werden wir entsprechend besetzen." Das Geld aus dem Österreicher-Topf ist für das Budget wichtig. 

"Es gibt in Österreich Spieler, die Ad-Hoc-Spieler sind", attestierte Wohlfahrt einigen heimischen Kickern durchaus das Potential sofort weiterzuhelfen, " aber die Anzahl ist nicht so groß. Vor allem derer, die man sich leisten kann. Meistens ist eine hohe Ablöse zu zahlen."

Alle wollen das Eine

Unabhängig vom Pass wollen alle Spieler das selbe. "Sie schauen schon, ob du im Europacup bist. Sie wollen international dabei sein, sich beweisen und in zwei Jahren den nächsten Schritt machen", so Wohlfahrt. Ein Jahr ohne Europacup könne den Karriereplan junger Spieler schon einmal über den Haufen werfen. 

Ob die Austria in der kommenden Saison diese Bühne bieten wird können, bleibt abzuwarten. Aktuell sind die Veilchen Dritter, aber nur wegen der Tordifferenz vor Altach. Vor dem 3:0 am Ostersonntag in Mattersburg hatte Franz Wohlfahrt Alarm geschlagen: "Natürlich macht man sich Gedanken, wenn man in der Meisterschaft drei Mal hintereinander verliert. Dann ist es notwendig darüber zu reden." Etwa darüber, dass das Gebotene nicht gut genug war.

Eine Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation ist im aktuellen Budgetentwurf eingeplant. Kommt es zu unerwarteten Abgängen wird eine Ablöse fällig. Während Vorstand Markus Kraetschmer ankündigte, dass "Transfererlöse reinvestiert werden", sprach Wohlfahrt davon sie "zum Teil wieder verwerten" zu können.

Einnahmen gäbe es auch, wenn Trainer Thorsten Fink tatsächlich zum FC Basel wechseln würde. Der Vertrag des Deutschen läuft bis 2019, soll aber eine oder mehrere Klauseln enthalten, die unter Einhaltung gewisser Fristen einen vorzeitigen Ausstieg ermöglichen. Offiziell ist diese Baustelle noch nicht eröffnet. Sprich, es liegt der Austria kein Angebot vor. "Im Westen nichts Neues", meinte Kraetschmer hierzu. Seit Freitagnachmittag ist das Thema erledigt.
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Die Ära Wohlfahrt

Franz Wohlfahrt ist seit Jänner 2015 im Amt. Der 53-Jährige verweist auf seine Bilanz: "Ich habe elf Spieler geholt von Außen und zehn Spieler von den Amateuren und der Akademie." Nicht inkludiert sind in Wohlfahrts Rechnung offenbar Spieler, die inzwischen nicht mehr oder derzeit nicht im Kader der Austria stehen. Tatsächlich dürften am kommenden Sonntag (ab 16:30 Uhr im weltfussball-Liveticker) beim 321. Wiener Derby gegen Rapid sechs Akteure beginnen, die in der Ära Wohlfahrt verpflichtet wurden.
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Finanziell hat es sich laut Wohlfahrt für den Klub gelohnt: "Gesamt gesehen haben wir für die elf Spieler drei Millionen Euro ausgegeben. Ihr momentaner Wert liegt laut Transfermarkt bei zehn." Klingt wie Werbung in eigener Sache? Ist es wohl auch. Denn Wohlfahrt wurde zum Amtsantritt als Sportdirektor mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Dieser läuft 2018 aus.

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Sebastian Kelterer

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