01.05.2017 21:33 Uhr

Bleibt Real für Atlético unüberwindbar?

Für Zinedine Zidane ist Marcelo (links) in der
Für Zinedine Zidane ist Marcelo (links) in der "Form seines Lebens"

Vorletzte Hürde für Real Madrid auf dem Weg zum Ende des Titelverteidigerfluchs: Im ersten Halbfinal-Duell mit dem Lokalrivalen Atlético am Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu (ab 20:45 im weltfussball-Liveticker) wollen Cristiano Ronaldo und Co. den Grundstein für den Einzug ins Endspiel der Champions League legen.

Atlético weckt bei den Königlichen gute Erinnerungen, wurden die Rojiblancos doch auch in den vergangenen drei Jahren besiegt. 2014 (4:1 nach Verlängerung) und 2016 (5:3 im Elfmeterschießen nach einem 1:1) behielt Real jeweils im Finale die Oberhand, 2015 in einem knappen Viertelfinale gesamt mit 1:0.

"Vergangenheit ist Vergangenheit. Das zählt nichts mehr", betonte Real-Trainer Zinedine Zidane am Montag. Der Franzose sieht sein Team nicht in der Favoritenrolle. "Die Chancen stehen 50:50 wie in jedem K.o-Duell", meinte der 44-Jährige.

Im Atlético-Lager sieht man das naturgemäß etwas anders. "Real ist Favorit, aber wir können das schaffen, was keiner Atlético-Generation vor uns gelungen ist und haben keine Angst", sagte Stürmer Fernando Torres. Auch für ihn sind die vergangenen Duelle längst abgehakt. "Das spielt keine Rolle mehr", so der 33-Jährige.

Fakt ist, dass Real deutlicher routinierter ist in der "Königsklasse". Der Klub hält mit zwölf Halbfinal-Teilnahmen sowie sieben in Folge gleich zwei Bewerbs-Bestmarken. Atlético steht dagegen erst zum dritten Mal im Halbfinale.

Abwehrsorgen auf beiden Seiten

Beide Teams haben mit Abwehrsorgen eine Gemeinsamkeit. Atlético-Coach Diego Simeone hat nur vier Abwehrleute zur Verfügung. Nach Juanfran und Šime Vrsaljko verletzte sich beim 5:0-Ligasieg bei Las Palmas auch noch José María Giménez. Deshalb soll am Dienstag zunächst der etatmäßige Innenverteidiger Stefan Savić bei den "Colchoneros" (Matrazenmacher) außen spielen.

Den Königlichen, die als erstes Team in der CL-Geschichte ihren Titel erfolgreich verteidigen wollen, bereitet wiederum die eigene Abwehrschwäche Sorgen. "Madrid ist ein Sieb", titelte die Sportzeitung "Mundo Deportivo" am Montag. Das treibe Zidane, der weiter auf Pepe und Gareth Bale verzichten muss, zum Wahnsinn. Real hat diese Saison in 51 Pflichtbegegnungen bereits 65 Treffer kassiert. Nur neunmal konnte zu Null gespielt werden. In der Champions League gab es zwar noch keine Niederlage, bisher aber immer mindestens ein Gegentor.

Marcelo in Form seines Lebens

Marcelo symbolisiert das "reale" Problem am besten. Der linke Verteidiger ist vorne meistens hui, hinten aber nicht selten pfui. Mit seinem Tor in der 86. Minute rettete der Brasilianer am Samstag beim 2:1 gegen Valencia die im Liga-Titelkampf gegen Barcelona wichtigen drei Punkte. Die meisten Medien stimmen überein: Trotz eines Ronaldo, der Bayern München mit fünf Toren im Viertelfinale praktisch im Alleingang aus dem Wettbewerb schoss, sind die Außenverteidiger Marcelo und Dani Carvajal mit die besten Sturmwaffen. "Marcelo ist extrem wichtig für die Mannschaft und in der Form seines Lebens", lobte auch Zidane.

Am Dienstag soll er vor allem dafür sorgen, dass Real, das in den jüngsten 58 Pflichtspielen immer getroffen hat, keinen Gegentreffer kassiert. "Für uns ist es immer das Wichtigste ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen. Morgen werden wir aber darauf schauen, auch zu Null zu spielen", erklärte Zidane. Das ist nur allzu verständlich, könnte doch ein Gegentor gegen die abwehrstarke Simeone-Truppe, die in der Liga mit nur 25 Gegentoren die beste Hintermannschaft stellt, verheerende Folgen haben.

Kleinigkeiten entscheidend

Im Bernabéu kreuzten die beiden Rivalen erst kürzlich die Klingen, am 8. April gab es im zweiten Ligaduell ein 1:1-Remis, nachdem Real im Herbst auswärts mit 3:0 gewonnen hatte. "Atlético ist eines jener Teams, das uns in den letzten Jahren das Leben schwer gemacht hat, sie kämpfen leidenschaftlich und geben nie auf", rechnete Zidane einmal mehr mit harter Gegenwehr. Das unterstrich auch Rechtsverteidiger Carvajal: "Die letzten Derbys waren sehr ausgeglichen, Kleinigkeiten haben den Unterschied ausgemacht. Zu Hause zu gewinnen, ist für uns der Schlüssel zum Erfolg."

Real ist im Europacup gegen spanische Teams sieben Spiele unbesiegt. Für zumindest einen Teilerfolg Atléticos spricht die Auswärtsstärke. In der Fremde gab es zuletzt in Pflichtspielen 15 Mal keine Niederlage. Die Champions League (Finale am 3. Juni in Cardiff) ist Atléticos letzte Chance, diese Saison zu Titelehren zu kommen. In der Primera División ist der Meisterzug mit zehn Punkten Rückstand auf den Lokalrivalen und Barcelona - auch gegen die Katalanen holte Atlético in zwei Ligaspielen nur einen Punkt - längst abgefahren, im Cup haben beide Madrider Klubs den Finaleinzug verpasst.

Mehr dazu:
>> Siegerliste Champions League
>> CL-Halbfinale, Übersicht

apa/red

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