17.07.2017 14:00 Uhr

ÖFB-Team ist das jüngste bei der Frauen-EM

Um diesen Pokal geht es bei der Frauen-EM
Um diesen Pokal geht es bei der Frauen-EM

Österreichs Frauen-Nationalteam tritt am Dienstag (ab 18:00 Uhr im weltfussball-Liveticker) gegen die Schweiz zum historischen ersten Spiel bei einer Endrunde an. Bereits vor dem EM-Ankick fallen die ÖFB-Frauen durch die Kaderzusammenstellung auf.

Im Schnitt ist es das jüngste Aufgebot bei der EM 2017 in den Niederlanden. Dennoch ist der Legionärsanteil der ex aequo höchste. Weltfussball blickt vor dem EM-Auftakt auf die Kaderdaten.

Mit einem Altersdurchschnitt von 23,22 Jahren stellt Österreich das deutlich jüngste Team bei der Frauen-Europameisterschaft 2017 in den Niederlanden. Vor allem die direkten Rivalen in der Gruppe C sind deutlich älter. Auftaktgegner Schweiz weist einen Schnitt von 25,43 Jahren auf. Der Mitfavorit auf den Titelgewinn Frankreich ist im Schnitt 26,09 Jahre alt. Island, der Kontrahent im letzten Gruppenspiel, liegt mit 26,48 Jahren knapp darüber.

Auch am anderen Ende der Skala gibt es mit dem WM-Dritten England einen statistischen Ausreißer. Die Lionesses sind im Schnitt 28,26 Jahre alt. 17 Spielerinnen waren bereits bei der Weltmeisterschaft 2015 dabei.

EM-Titelverteidiger und regierender Olympiasieger Deutschland liegt mit einem Altersschnitt von 25,96 Jahren dagegen im Mittelfeld. Regelmäßige Kaderverjüngung und jahrzehntelanger Erfolg stehen keinesfalls im Widerspruch.

Die Belgierin Davinia Vanmechelen und die Isländerin Agla María Albertsdóttir sind die jüngsten Spielerinnen bei der EM. Beide feiern im August ihren 18. Geburtstag. Älteste Spielerin ist Torfrau Ingrid Hjelmseth aus Norwegen mit 37 Jahren.

Österreich stellt derweil so viele Spielerinnen unter 21 Jahren (7) wie kein anderes Nationalteam. Drei Spielerinnen sind älter als 27. Ersatztorfrau Jasmin Pfeiler ist mit 32 Jahren die älteste Spielerin im ÖFB-Kader. Sie fand 1990 als Kind zum Fußballsport. In diesem Jahr absolvierten Österreichs Frauen gerade ihr allererstes Länderspiel. Die Premiere ging übrigens gegen die Schweiz mit 1:5 verloren.
>> Bilanz Österreich vs Schweiz 

Nur vier Spielerinnen aus dem ÖFB-Kader waren an jenem historischen 25. August 1990 bereits geboren. Das unterstreicht freilich, dass Österreich in punkto Frauen-Fußball keineswegs in einer Vorreiterrolle war und die Professionalisierung des Sports im Vergleich zu Nord- und Westeuropa recht spät einsetzte. Die Maßnahmen, etwa die Schaffung des Nationalen Zentrums für Frauenfußball im Sommer 2011, tragen aber bereits Früchte. Acht Teamspielerinnen im aktuellen EM-Kader sind Absolventinnen der Akademie, Jennifer Klein hat den Abschluss noch vor sich.

Der Startvorteil garantiert den Pionieren nicht zwingend Erfolge. Schottland gehörte zu den ersten Ländern, das Frauen-Länderspiele ausgetragen hat. Trotzdem feiern die Schottinnen ebenso wie Österreich ihre Endrunden-Premiere. Die Altersstruktur des schottischen Teams ist derweil eine ganz andere: In ihrem Kader sind die meisten Spielerinnen über 27. Diese Altersgruppe ist sonst nur bei England und Island größer als die Gruppe 26 und jünger.

Österreich hat nicht nur das jüngste Team bei der Euro. Auch beim Legionärsanteil sind die ÖFB-Frauen ex aequo mit Schottland Spitze. Von den 15 Legionärinnen spielen 14 in Deutschland. Sophie Maierhofer kickt in Übersee bei den Kansas Jayhawks (USA). 

Gastgeber Niederlande hat ebenfalls noch ein knapp größeres Legionärskontingent (12). Die restlichen Teams stellen das Gros ihrer Kader aus jeweils heimischen Ligastrukturen. Russland und England kommen ganz ohne Legionärinnen aus.

Acht Spielerinnen im ÖFB-Kader sind in der Österreichischen Frauen-Bundesliga engagiert. Vier von ihnen kommen vom Meister und Cupsieger SKN St. Pölten. Rekordmeister SV Neulengbach, Sturm Graz, FC Bergheim und SKV Altenmarkt sind mit jeweils einer Spielerin bei der EM vertreten. Nur Brasilien hat mit einer Spielerin ein kleineres Kontingent in den Niederlanden als Österreich und Schottland.

Schweiz (12) und Island (15) stellen jeweils mehr Spielerinnen ihres 23-Frauen-Kaders aus ihrer heimischen Liga, haben dennoch einige Legionärinnen. Frankreich kann in Anbetracht der sportlichen Stärke fast vollständig auf die Division 1 bauen. 2016 und 2017 gewann Olympique Lyon die Women’s Champions League. Im heurigen Finale setzte sich OL gegen Paris Saint Germain durch.

Trotz dieser Erfolge im Klubfußball stellt die Division 1 mit 34 Spielerinnen nur das viertgrößte Kontingent bei der EM. Schweden (36) und England (39) liegen noch vor Frankreich. Deutschland nimmt mit 63 Spielerinnen eine ähnlich dominante Rolle ein, wie England im Männerfußball.

Insgesamt 105 Klubs sind bei der EM in den Niederlanden durch Spielerinnen (in der abgelaufenen Saison) vertreten. Der regierende deutsche Meister VfL Wolfsburg stellt das größte Aufgebot eines Klubs. Zweistellig sind noch vier weitere Teams: Olympique Lyon, Bayern München, FC Barcelona und Manchester City.

Der Vergleich zeigt: Mit vier Spielerinnen ist der SKN St. Pölten gar nicht so schlecht platziert.

Die Trainerbank ist allerdings auch bei der Frauen-EM eine Männerdomäne. Nur sechs Teamchefs sind weiblich, darunter die legendäre Pia Sundhage (Schweden) und DFB-Bundestrainerin Steffi Jones, die nach dem Olympiasieg 2016 das Amt von Silvia Neid übernahm.

Dominik Thalhammer gehört zu den insgesamt zehn männlichen Teamchefs, hat aber weibliche Unterstützung. Teamchef-Assistentin Irene Fuhrmann begann im Sommer 2016 als erste Österreicherin die Ausbildung zur UEFA-Pro-Lizenz. 

Nicht nur auf dem Spielerinnensektor hat der Fußball noch enormes Wachtumspotential, auch bei den Trainern.

Mehr dazu:
>> Alle Spiele der Frauen-EM im weltfussball-Liveticker 
>> Die EM-Kader im Überblick

Sebastian Kelterer

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