17.07.2017 07:10 Uhr

Wenn Schneckerl für Rapid trifft

Torschütze Stephan Auer: Der erste Pflichtspiel-Treffer des 26-Jährigen Defensiv-Spezialisten für Rapid
Torschütze Stephan Auer: Der erste Pflichtspiel-Treffer des 26-Jährigen Defensiv-Spezialisten für Rapid

Wenn "Schneckerl" für Rapid trifft, dann ist wirklich etwas Besonderes passiert. So auch am Sonntag zum Auftakt der ersten Runde des ÖFB-Cups beim 2:0-Erfolg des österreichischen Rekordmeisters beim SC Schwaz. Die Sonne im heiligen Land Tirol strahlte am Ende mit dem ungewohnten Führungs-Torschützen Stephan Auer um die Wette.

"Silber" für die bittere 1:2-Niederlage gegen RB Salzburg am 1. Juni im Finale des ÖFB-Cups in Klagenfurt. Fast logisch, dass die Hütteldorfer da ihr erstes Pflichtspiel der Saison 2017/18 in der alten "Silberstadt" Schwaz bestritten. Zur Blütezeit des Edelmetall-Abbaus im 15. und 16. Jahrhundert war Schwaz die größte Bergbau-Metropole Europas und mit 20.000 Einwohnern nach Wien die Nummer zwei im Habsburger-Reich. Vergangener Ruhm, fast so wie beim SK Rapid.

Dennoch hält man in der wunderschönen Tiroler Bezirkshauptstadt und bei den Grün-Weißen die Traditionen hoch. Trotz Liveübertragung im TV ein ausverkauftes Haus. "Gemma Rapid schauen": Einmal mehr der Kassenschlager Nummer eins im österreichischen Fußball.

In der dritten Saison kann man schon mal treffen   

Als Qualitätsmerkmal des rot-weiß-roten Kicks bürgt seit Jahrzehnten auch der Name "Schneckerl": Bei Herbert Prohaska längst nur mehr Erinnerung an Zeiten ehemaliger Haarpracht. Für einen Rapid-Spieler hingegen ein äußerst ungewohnter Spitzname: Stephan Auer hat die Ehre. Wer "schuld" daran ist? Der Sohn eines Ex-Austrianers!

Kurz nach seinem Wechsel von Admira Wacker zu Rapid im Sommer 2015 klärte der Neuzugang über seine Namensnennung auf: "Wenn ich längere Haare habe, dann formen sie sich zu Schneckerln und damals hat mich der Sohn von Ernst Baumeister eines Tages so genannt. Bei Rapid wurde der Name dann auch durch Stefan Schwab, der mich ja noch aus der gemeinsamen Zeit in der Südstadt kannte, übernommen."

"Schneckerl" Auer hatte seit seiner Vertragsunterschrift beim neuen Verein aber noch mit einer weiteren haarigen Angelegenheit zu kämpfen: Er blieb in seinen ersten beiden Saisonen bei Rapid ohne einen einzigen Treffer in einem Pflichtspiel. In seiner dritten Spielzeit bei den Grün-Weißen aber beendete er die persönliche Torsperre und brachte außerdem die Scherzbolde in der Kabine zum Schweigen. "Es war schon an der Zeit, dass ich mal treffe. Damit muss ich mich jetzt nicht mehr 'häkerln' lassen", gestand der 26-Jährige gegenüber weltfussball.

Er mag nicht der Liebling aller Rapid-Fans sein, aber er ist der Liebling aller Rapid-Trainer. Noch jeder Chefcoach schätzte seine Vielseitigkeit und das unglaubliche Laufvermögen. Zunächst oft rechter oder linker Verteidiger, hat Auer bei Goran Djuricin eine neue Position gefunden. "Ich bin jetzt 'Sechser' und das passt sehr gut, weil ich mich da gemeinsam mit Stefan Schwab ideal ergänze. Wir kennen uns ja wie gesagt schon von früher und da weiß jeder, was der andere macht. Das klappt einfach."

Nun klappt es sogar als Torschütze. In der achten Minute machte "Doppelnull-Agent" Auer endlich Schluss mit lustig. Ideale Vorlage von Joelinton in den Rückraum. Ball mitgenommen und ab damit ins lange Eck. Treffer. 1:0 für Rapid. "Häkerl" mit "Schneckerl" ist vorerst nicht mehr.

"Im Cup bin ich als Torschütze berüchtigt"

Stephan Auer erwies sich aber nicht nur als treffsicher auf dem Platz, sondern auch als pointenreich nach Spielschluss. Der Mann kann über sich selbst lachen. Sympathisch. "Im Cup bin ich als Torschütze ja fast schon berüchtigt", meinte der Defensiv-Spezialist mit einem Schmunzeln.

Stimmt. Gleich drei seiner insgesamt sechs Treffer bei den Profis erzielte er im ÖFB-Cup. Erstmals war er am 12. Juli 2013 beim 2:0-Sieg von Admira Wacker beim SV Seekirchen erfolgreich und danach ließ es Auer am 11. Juli 2014 beim 7:0-Schützenfest in Lendorf erneut krachen. Nun auch noch sein erstes Tor in der Rapid-Kampfmannschaft. Ein "wichtiges" Zeichen. Sollte auch helfen seinen Ruf bei den Fans aufzupolieren.

Auer ist kein Blender. Dafür ein echter Teamplayer. Er läuft wie aufgezogen. Rund zwölf Kilometer pro Spiel. Verrichtet "Drecksarbeit" und ist sich für keinen Weg zu schade. Darum schätzen ihn Mannschaft und Trainerteam. Vielleicht auch bald einige Rapid-Fans mehr.       

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Christian Tragschitz, weltfussball.at aus Schwaz

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