22.04.2021 13:51 Uhr

Pérez glaubt immer noch an die Super League

Laut Real-Boss Pérez ist die Super League noch nicht Geschichte
Laut Real-Boss Pérez ist die Super League noch nicht Geschichte

Die Super League ist nach Meinung von Real Madrids Präsidenten Florentino Pérez noch nicht gescheitert. "Da liegen sie komplett falsch", sagte er in Richtung der Kritiker, die das Projekt für erledigt ansehen, in einem am frühen Donnerstagvormittag ausgestrahltem Radio-Interview von SER. Er denke nicht, dass die anderen Clubs die Super League verlassen haben. "Es ist klar im Vertrag verankert, dass du nicht gehen kannst", betonte Pérez.

Juve-Boss Andrea Agnelli hatte dagegen am Mittwoch auf die Frage, ob man das Projekt jetzt noch fortsetzen könne, geantwortet: "Um ehrlich und aufrichtig zu sein, nein, das ist offensichtlich nicht der Fall." Pérez ist laut Mitteilung Vorstand der Super League, Agnelli einer seiner beiden Stellvertreter. Massive Kritik vor allem an Perez kam am Donnerstag wieder von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.

"Pérez ist der Präsident einer Superliga, die es nicht gab, und derzeit ist er der Präsident von nichts", sagte der 53-Jährige dem slowenischen Fernsehsender Pop TV. "Er hätte gerne einen UEFA-Präsidenten, der ihm gehorcht, der ihm zuhört, der tut, was er will", meinte Ceferin. Die Superliga habe es nie gegeben. "Es war der Versuch, eine Phantom-Liga der Reichen zu gründen, die keinem System folgen würde, die den Pyramidenaufbau des Fußballs in Europa nicht berücksichtigen würde, nicht seine Kultur, Tradition oder Geschichte."

Die sechs beteiligten Teams aus England (Liverpool, Chelsea, Arsenal, Tottenham, Manchester City und United), die drei aus Italien (Juventus Turin, Inter Mailand und AC Milan) sowie Atlético Madrid hatten am Dienstagabend bzw. Mittwoch ihren Rückzug von dem Vorhaben erklärt. Keine entsprechende Ankündigung gibt es von Real und dem FC Barcelona. Letzterer kündigte jedoch bereits eine Abstimmung unter den Mitgliedern an, die mehrheitlich gegen die Super League sein dürften. Die zwölf Clubs hatten sich erst in der Nacht auf Montag als Gründungsmitglieder der Super League zu erkennen gegeben und damit einen Angriff auf die UEFA und deren Champions League gestartet, der für massive Kritik gesorgt hatte.

Pérez fühlt sich bedroht wie noch nie

"Es war, als hätten wir jemanden getötet. Es war, als hätten wir den Fußball getötet. Aber wir versuchen, einen Weg zu erarbeiten, um den Fußball zu retten", beteuerte Pérez. "Ich bin seit 20 Jahren im Fußball, und ich habe noch nie Drohungen wie diese gesehen." Man habe das Vorhaben womöglich nicht gut erklärt, "aber die haben uns auch keine Gelegenheit dazu gegeben, es zu erklären". Er sei traurig und enttäuscht, weil man an dem Projekt drei Jahre gearbeitet habe.

Pérez machte zudem erneut seine Unzufriedenheit mit der Champions League deutlich. "Das Champions-League-Format ist alt und erst ab dem Viertelfinale interessant", sagte der 74-Jährige. Auf die Frage, warum er die Mitglieder Reals nicht um ihre Meinung gebeten habe, antwortete er: "Muss ich sie auch fragen, welche Spieler wir unter Vertrag nehmen?"

Agnelli vo Rücktritt bei Juve?

Sitzt Pérez bei Real sicher im Sattel, wächst der Druck auf einen anderen Mitinitiator des Projekts. Italienische Medien spekulieren über die Zukunft von Juventus-Boss Andrea Agnelli. Durch den Vorstoß mit der Super League hatte der 45-Jährige sein Amt als wichtiger UEFA-Sportfunktionär aufgegeben. Ein Rücktritt bei Juve schien zwar unwahrscheinlich. Dennoch brachten mehrere Medien den Cousin Agnellis, Alessandro Nasi, als möglichen Nachfolger ins Spiel. Agnelli gehört zu einer berühmten Unternehmerfamilie in Italien. Sie hatte die Automarke Fiat mitgegründet.

Während die Super League Geschichte ist, fühlten sich die Fan-Organisationen als Sieger und wollen nun nach dem Scheitern der Super League einen massiven Richtungswechsel erreichen. "Wir rufen alle Fußballfans auf: Die Zeit für einen noch konsequenteren und lauteren Widerstand ist gekommen. Die Ereignisse der letzten Tage haben gezeigt, was möglich ist", hieß es etwa in einer gemeinsamen Stellungnahme von neun Bündnissen und Initiativen am Donnerstag, in der auch "eine Zurücknahme der beschlossenen Champions-League-Reform hin zu einer gleichmäßigeren Verteilung gemeinsamer Einnahmen" gefordert wurde.

apa

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