19.05.2024 05:00 Uhr

"Wegleitner-Besen" kehrt gut - Austria kann siegen

Ortlechner und Wegleitner hatten gut lachen
Ortlechner und Wegleitner hatten gut lachen

Ein neuer Besen kehrt gut: Christian Wegleitner hat die Wiener Austria bei seiner Premiere als Interimstrainer zurück auf die Erfolgsstraße geführt. Das am Ende knappe, aber verdiente 2:1 bei Blau-Weiß Linz war der erste Erfolg nach vier sieglosen Spielen mit drei Niederlagen. Auch wenn der Sprung an die Spitze der Qualigruppe nicht gelang, konnte das Selbstvertrauen vor dem Europacup-Play-off-Halbfinale der Fußball-Bundesliga beim ebenfalls siegreichen WAC gestärkt werden.

"Die Burschen haben es so erledigt, wie wir uns das gewünscht haben. Das größte Lob geht an die Spieler. Das 'Wie' der ersten Hälfte war so, dass wir wieder zu lachen beginnen können nach diesen Wochen", sagte Wegleitner im Sky-Interview. Spannend blieb es nur wegen mangelnder Effizienz und eines starken BWL-Tormanns Nicolas Schmid, der sich vor der Pause nur beim Elfmeter von Dominik Fitz (12.) geschlagen geben musste. Danach traf auch Alexander Schmidt (54.).

"Wir haben das eine oder andere Gespräch geführt, nicht nur ich, sondern das gesamte Trainerteam. Anscheinend haben wir damit die Spieler erwischt", nannte der 45-Jährige, der nach seiner Installierung als Teilzeit-Nachfolger von Michael Wimmer ab Dienstag "keine freie Minute" hatte, ein Erfolgsgeheimnis. Von dem viel zitierten Trainereffekt wollte er nichts wissen. "Einen Tick cooler ist es manchmal, wenn sich der Trainer nicht so wichtig nimmt." Bei den Feierlichkeiten nach Schlusspfiff vor dem mitgereisten Anhang war er zurecht dabei, diese Momente hätten sich "richtig cool" angefühlt.

Am Dienstag (19.00 Uhr) gilt es nun, in Wolfsberg und damit neuerlich in der Fremde zu reüssieren. Am 13. April hatten die Wiener dort mit 1:0 gewonnen. Noch präsenter im Kopf ist aber das bittere Heim-0:4 gegen die Lavanttaler zuletzt in der Liga. "Sie können sich auf eine ganz andere Austria als letzte Woche gefasst machen. Wir werden mit viel Unterstützung anreisen und alles raushauen", verlautete Fitz. Auf die Leistung könne man aufbauen.

Unter Wegleitner habe sich nicht viel geändert. "Wir schauen, dass wir wieder ein bisschen mehr Spaß in die Gruppe hineinbringen, mehr Energie und Selbstvertrauen schöpfen. Heute war ein guter Anfang", meinte Fitz. Laut Wegleitner wolle man sich unbedingt mit der Finalteilnahme zwei weitere Spiele erarbeiten. "Das ist das große Ziel. Wir haben einen Schritt gemacht, dass wir das Spiel am Dienstag mit Selbstvertrauen angehen können", sagte der Burgenländer.

WAC brauchte etwas Zeit

Das trifft auch auf den WAC zu, der die reguläre Saison mit dem dritten Sieg in Folge, dem vierten in den jüngsten fünf Partien, beendete. Dabei brauchte es nach einer enttäuschenden ersten Hälfte und 0:1-Rückstand aber eine klare Leistungssteigerung - und u.a. die Einwechslung von Augustine Boakye zur Pause. Der Ghanaer leitete mit dem 1:1 in der 48. Minute nach einem schweren Fehler von WSG-Torschütze Felix Bacher die Wende ein, die Simon Piesinger wenig später mit dem 2:1 vollendete (57.).

"Über die erste Hälfte breiten wir den Mantel des Schweigens. In der zweiten Hälfte war dann eine richtig starke Mannschaft am Platz, da hat auch die Körpersprache gepasst", beschrieb Schmid die Leistung seiner Truppe, die im Finish auch von den Ausschlüssen von WSG-Goalie Adam Stejskal (79.) und Luca Kronberger (84.) profitierte.

Dass das anstehende Duell mit der Austria im Lavanttal über die Bühne geht, sei gar kein so großer Vorteil, implizierte Schmid und wies auf die jüngsten Erfolge in der Fremde hin. "Schön, dass wir vor den eigenen Fans spielen dürfen. Aber wir haben vier der letzten fünf Spiele gewonnen, drei Siege waren auswärts", sagte der Wiener.

Rieglers Moment

Gesprächsstoff bot nach dem Abpfiff nicht nur das Geschehen am Rasen. WAC-Präsident Dietmar Riegler verkündete mit Dietmar Kühbauer auch den Nachfolger von Schmid, der im Sommer vorzeitig scheiden wird. Für Kühbauer ist es eine Rückkehr, der Burgenländer arbeitete schon von 2013 bis 2015 durchaus erfolgreich für die Wölfe.

Schmid hingegen wird mit einer Rückkehr zur Austria in Verbindung gebracht, die er von Juli 2021 bis Dezember 2022 gecoacht hat. "Es hat bisher keine Gespräche gegeben, ich weiß nicht, ob sich wer meldet. Die Austria wird immer mein Herzensclub bleiben", verlautete der 53-Jährige. Vorerst gelte es für ihn, den Job beim WAC samt Europacup-Qualifikation zu erledigen und dann den Urlaub zu genießen.

Laut Austria-Präsident Kurt Gollowitzer habe die Trainersuche "natürlich schon begonnen". Ein Österreicher wäre ihm "sehr recht", eine Austria-Vergangenheit "nicht unbedingt notwendig, aber natürlich mehr als super". Zu Schmid sagte er: "Er war erst bei uns Trainer und hat auch einen guten Job beim WAC gemacht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Offen ist auch die Zukunft von Sport-Vorstand Jürgen Werner und Sportdirektor Manuel Ortlechner. Nach den restlichen Saisonspielen werde man "Bilanz ziehen und sehen, wie es weitergeht".

Noch nicht geklärt ist auch die Causa Stadionverkauf. Gollowitzer schloss eine Übernahme durch eine der Stadt Wien nahen Gesellschaft aus. Interessenten gäbe es mehrere. Spätestens Ende Juni soll eine Entscheidung fallen.

apa

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