22.06.2024 16:19 Uhr

Kornetka schwärmt von ÖFB-Trainerteam

Lars Kornetka - der Mann, dem Rangnick vertraut
Lars Kornetka - der Mann, dem Rangnick vertraut

Seit dem Amtsantritt von Ralf Rangnick als österreichischer Teamchef vor zwei Jahren fungiert Lars Kornetka als dessen Assistenztrainer. In dieser Funktion hielt sich der Deutsche bewusst im Hintergrund - bis Samstag, als er in Berlin erstmals an einer Pressekonferenz teilnahm und unter anderem über den 3:1-Sieg bei der EM gegen Polen tags zuvor und die Aufgabenverteilung im ÖFB-Trainerstab sprach.

Der Rückfall im Laufe der ersten Hälfte hatte laut Kornetka psychologische Gründe. "Es kann sein, dass, wenn es um sehr viel geht, du zu denken beginnst, was wäre wenn. Das ist menschlich", sagte der 46-Jährige.

In der Pause wurden dann die richtigen Schlüsse gezogen. "Wir hatten gemerkt, dass Christoph Baumgartner nicht so ins Spiel kommt und haben ihn in die Mitte gezogen", erklärte Kornetka. ÖFB-Analyst Stefan Oesen saß gegen Polen so wie in jedem Länderspiel auf der Tribüne und bereitete gemeinsam mit dem Trainerteam markante Videosequenzen vor, die der Mannschaft in der Kabine vorgespielt wurden. "Wir sind während des Spiels in permanentem Austausch und so aufgestellt, dass wir in der Pause alles aufbereiten können", erzählte Kornetka.

Die Halbzeit-Analyse habe ergeben, dass der Matchplan passend war. "Wir haben in der ersten Hälfte nicht so viel falsch gemacht, nur die Bälle zu leicht hergegeben. Dadurch bekam der Gegner mehr Momente als gewünscht. In der zweiten Hälfte haben wir es besser gemacht, weil wir mehr Druck auf den Ball hatten", meinte Kornetka.

Der frühere Sportjournalist lernte Rangnick vor 17 Jahren kennen, beide betreiben gemeinsam die "Rangnick Kornetka Consulting GmbH" mit Sitz in Düsseldorf. Erstmals arbeitete das Duo bei Hoffenheim zusammen, außerdem waren sie miteinander bei Lok Moskau engagiert. Wirkliche Veränderungen sind Kornetka bei Rangnick in dieser Zeit nicht aufgefallen. "Wenn man mit jemandem befreundet ist und mit ihm arbeitet, nimmt man Veränderungen gar nicht war. Das ist wie in einer Ehe. Wenn man lange beisammen ist, nimmt man Veränderungen nicht so wahr."

"Wir haben enorm viel Expertise"

Nach der Teamfähigkeit von Rangnick befragt, geriet Kornetka ins Schwärmen. "Ralf ist unser Chef, der Entscheidungen selbst fällen kann, aber uns in allen Entscheidungen mitnimmt. Was ihn stark macht, ist, dass er die Leute um ihn herum ernst nimmt. Wir haben enorm viel Expertise und Know-how. Es wäre fatal, dieses Wissen nicht gut einzusetzen."

Dem Trainerstab gehören auch noch die Assistenten Peter Perchtold und Onur Cinel sowie Tormann-Coach Michael Gspurning an. Kornetka gilt von diesem Quartett als engster Vertrauter von Rangnick, wollte dies aber nicht bestätigen. "Es gibt keine Hierarchie, alle sind gleichgestellt. Der Unterschied ist nur, dass ich Ralf lange kenne." Es gebe zwar eine klare Aufgabenverteilung, jeder könne sich aber zu jedem Thema einbringen, betonte Kornetka. "Wir probieren alle, alles zu sehen und dann konkrete Meinungen herzustellen. Wenn einer eine Idee hat, vermittelt er sie den anderen."

Vor seiner Zeit beim ÖFB arbeitete Kornetka unter anderem mit Huub Stevens und Roger Schmid sowie bei den Bayern auch mit Pep Guariola. "Ob er dasselbe verlangt wie Rangnick, kann ich nicht sagen", berichtete Kornetka über die Kooperation mit dem Katalanen. Trotz seiner großen Erfahrung strebt der Rangnick-Assistent zumindest aktuell kein Amt als Cheftrainer an. "Ich fühle mich sehr wohl in der Funktion, in der ich gerade bin."

Deshalb freute sich Kornetka auch über Rangnicks Absage an die Bayern und Verbleib beim ÖFB. "Ralf hat sich für den ÖFB entschieden, was wir alle und ich besonders für eine sehr gute Entscheidung halten."

Seit neuestem hat Kornetka einen neuen Kollegen auf der Ersatzbank - der verletzte David Alaba fungiert bei der EURO als "Non-playing Captain". "Er hat enorm viel Erfahrung und zudem Turniererfahrung, die er zum Beispiel mir voraus hat. Außerdem hat er auch Erfahrungen mit den Spielern, insofern kann er total viele Facetten abdecken. Das hat er aber schon als Kapitän gemacht, insofern ist seine Rolle gar nicht so anders", sagte Kornetka über den Real-Madrid-Profi.

Verbesserungspotenzial vorhanden

Auch ohne Alaba sei das momentane ÖFB-Aufgebot "toll", meinte der Assistenzcoach und wies in diesem Zusammenhang auf die körperliche Stärke der Kicker hin. "Wir spielen physisch anspruchsvoll, dementsprechend ist auch der Kader zusammengestellt. Wir sind so aufgestellt, dass wir immer die frischesten Beine auf den Platz bringen können."

Allerdings gebe es noch genügend Verbesserungspotenzial, etwa bei ruhenden Bällen, gestand Kornetka. "Die Ecken sind noch nicht perfekt auf den Punkt gebracht. Da sind wir noch nicht top gewesen, das wissen wir, daran arbeiten wir." Das 1:0 gegen Polen durch Gernot Trauner wird jedoch intern als Standard-Tor bewertet, weil es kurz nach einem weiten Einwurf in den Strafraum passierte. "Sonst wäre Trauner nicht vorne gewesen", betonte Kornetka.

Durch den Sieg gegen Polen winkt der Einzug ins Achtelfinale, ein Punkt am Dienstag gegen die Niederlande würde reichen. Trotzdem wird das ÖFB-Team auf Sieg spielen, kündigte Kornetka an. "Wir machen uns nicht viele Gedanken darüber, wie es rechnerisch möglich ist, aufzusteigen. Wir müssen einfach ein gutes Spiel abliefern."

Ein Catenaccio ist gegen die "Elftal" nicht zu erwarten. "Ich finde die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ist die schönste Art des Fußballs - den Ball immer zu bewegen, nach vorne zu pushen oder ihm den Gegner abjagen zu wollen. Man merkt auch, dass das den Zuschauern Spaß macht, und so werden wir das wahrscheinlich auch in Zukunft immer machen, egal, wie die Konstellation ist", sagte Kornetka.

apa

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