17.03.2020 08:58 Uhr

"Hirn einschalten": Garics-Appell zur Corona-Krise

Ex-Teamspieler György Garics erlebt die Krise in Bologna hautnah mit
Ex-Teamspieler György Garics erlebt die Krise in Bologna hautnah mit

Ex-Teamspieler György Garics erlebt die Coronavirus-Krise in Bologna hautnah mit. "Sie wissen nicht einmal mehr, wo sie die Leichen hinlegen sollen. Da kriegt man Gänsehaut", beschreibt der frühere Defensivspieler die Situation in Norditalien.

Der frühere österreichische Teamspieler György Garics erlebt die Coronavirus-Krise in Norditalien hautnah mit. Mit seiner Frau und dem 16-jährigen Sohn wohnt der gebürtige Ungar in einer Wohnung in Bologna, der Hauptstadt der Region Emilia-Romagna, die von der Pandemie schwer getroffen wurde.

Die dortigen Schulen und Universitäten sind seit über drei Wochen geschlossen, weitere drastische Maßnahmen wie etwa die Einschränkung der Bewegungsfreiheit traten in dieser Region in der Vorwoche in Kraft. An der Ausbreitung des Coronavirus hat das vorerst aber nichts geändert - die Spitäler sind völlig überlastet, die Zahlen von Infizierten und Verstorbenen steigt steil an.

"Sie wissen nicht einmal mehr, wo sie die Leichen hinlegen sollen. Da kriegt man Gänsehaut", erzählte Garics der APA. "Das Problem ist, dass es keine Intensivbetten mehr gibt. Und wenn die Intensivbetten fehlen, dann führt das so weit, dass die Ärzte überlegen müssen, wen sie behandeln und wen nicht."

Damit es hierzulande nicht zu ebensolchen Zuständen kommt, appellierte der zweifache EM-Teilnehmer an die Österreicher, sich an die Vorgaben der Regierung zu halten. "Wir müssen das Hirn einschalten", forderte der frühere Rechtsverteidiger. "Ich habe einige wichtige Spiele bestritten, aber ich habe nie gedacht, dass ich das wichtigste Spiel nicht mit zehn Kollegen auf dem Platz, sondern gemeinsam mit 60 Millionen Italienern oder neun Millionen Österreichern von daheim aus bestreiten muss."

György Garics: "Für so etwas habe ich kein Verständnis"

Während sich die Situation in seiner Wahlheimat immer mehr zuspitzte, erreichten Garics noch bis vor kurzem immer wieder Nachrichten aus Österreich, die darauf schließen ließen, dass die Gefahr des Coronavirus nicht ernst genommen wurde. "Wenn ich lese, 'Wie geht es euch? Wir gehen gerade einen Aperitif trinken' - für so etwas habe ich kein Verständnis. Diese Erkrankung ist kein Spaß."

Auch in Italien sei die Lage zunächst unterschätzt worden: "Als die Schulen und Unis gesperrt wurden, haben sich die Leute in Parks oder Restaurants getroffen", berichtete Garics. Die Fallzahlen schossen weiter in die Höhe, und mittlerweile hält Italien bei rund 2.000 Toten. "Ich will keine Angst oder Panik verbreiten, sondern Eigenverantwortung einfordern. Man muss so wenig Kontakt wie möglich zu anderen Menschen haben, um die Verbreitung des Virus zu verhindern", meinte der 36-Jährige.

In der derzeitigen Situation müsse man davon wegkommen, die Coronavirus-Krise nur als Gefahr für die Wirtschaft zu begreifen. "Ich habe den Eindruck, die größte Sorge in Österreich ist der wirtschaftliche Bereich. Klar, jeder braucht etwas zu essen und so weiter, aber wir müssen jetzt schauen, den anderen zu helfen."

"Ich möchte nur Bewusstsein schaffen"

Garics verlässt seine Wohnung seit vielen Tagen nur, um die nötigsten Einkäufe zu erledigen und seinen seit Längerem pflegebedürftigen Schwiegervater zu unterstützen. Dabei hätte er in Neapel genug zu tun: In der Stadt am Vesuv betreibt Garics unweit des Napoli-Trainingszentrums ein 7.000 Quadratmeter großes Sportzentrum, zudem besitzt er ein kleines Hotel mit acht Doppelzimmern an der Amalfi-Küste etwa 40 Kilometer südlich von Neapel.

Beide Betriebe sind derzeit geschlossen, und Garics kann sich mehr als sonst seiner Familie widmen. "Das ist ein positiver Aspekt daran", sagte der frühere Profi von Napoli und Atalanta Bergamo, der einst bei Atalanta mit dem mittlerweile Coronavirus-infizierten Sampdoria-Kicker Manolo Gabbiadini zusammenspielte.

Der ansonsten öffentlichkeitsscheue Garics legte Wert auf die Feststellung, er wolle mit seinen Wortmeldungen aufrütteln und nicht sich selbst ins Rampenlicht stellen. "Ich war nie mediengeil, ich will keine Aufmerksamkeit, ich bin nicht auf Facebook, Instagram oder Twitter. Ich möchte nur Bewusstsein schaffen für das, was gerade passiert."

apa

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