08.11.2017 10:18 Uhr

Damals: Pausenpfiff nach 32 Minuten

Auf und abseits des Platzes eine Legende: Kult-Schiri Wolf-Dieter Ahlenfelder
Auf und abseits des Platzes eine Legende: Kult-Schiri Wolf-Dieter Ahlenfelder

Am 8. November 1975 um kurz nach 16 Uhr trauten Spieler und Zuschauer ihren Ohren nicht: Bei der Partie Werder Bremen gegen Hannover 96 pfiff der damals 31-jährige Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder bereits nach 32 Minuten zur Pause. Was war passiert?

Nach allgemeiner Ungläubigkeit und Verwunderung ließ der Referee zunächst weiterlaufen, um dann rund eineinhalb Minuten vor Ende der regulären Spielzeit endgültig zum Halbzeittee zu pfeifen.

Der verfrühte Pausenpfiff vor 42 Jahren wurde zur Legende, ebenso der Referee, der ihn ausführte. Ahlenfelder galt in der Spielerzunft als einer der Beliebtesten seines Fachs. Sein Umgang mit den Spielern wurde von den Profis der späten 1970er- und 1980er Jahre als wohltuend direkt und offenherzig empfunden, stets mit dem richtigen Spruch auf den Lippen. Von ihm kamen Kommentare wie "Junge, steh' auf, die Rasenheizung ist nicht an".

Auch Weltmeister Paul Breitner machte mit der Schlagfertigkeit und Gelassenheit des Kultreferees Bekanntschaft, als er ihn in einer Bundesligapartie anraunzte: "Ahlenfelder, du pfeifst wie ein Arsch" – worauf der gebürtige Oberhausener locker entgegnete: "Breitner, kann es sein, dass du spielst wie ein Arsch?"

"Männer trinken keine Fanta"

Heute undenkbar, zu seiner Zeit Kult: Wolf-Dieter Ahlenfelder beschrieb seine Rolle auf dem Feld selbst wie folgt: "Der Schiedsrichter muss Designer des Regelwerkes sein. Er muss ein bisschen mehr Pepp drauf haben und sagen: Ich pfeif so, wie ich das auslege."

Dieses Design ist Ahlenfelder über 100 Mal in der Bundesliga bestens gelungen. Nur einmal hat er es mit der Auslegung der Halbzeitlänge etwas übertrieben, eben beim legendären Halbzeitpfiff in Bremen vor über Jahren.

Damals gab Wolf-Dieter Ahlenfelder selbst zu, nicht ganz nüchtern auf dem Platz gewesen zu sein: "Wenn ich sage, dass ich Wasser und Fanta getrunken habe, dann wäre das eine Lüge", so der lapidare Kommentar.

Während der besagten Partie wurde Ahlenfelder übrigens von Bremens Nationalspieler Horst-Dieter Höttges auf den überaus verfrühten Pfiff aufmerksam gemacht: "Schiri, da kann etwas nicht stimmen, mein Trikot ist noch ganz trocken." Dieser Ausspruch ist ebenso in Erinnerung geblieben wie der Pfiff selbst und kam nach eigener Aussage von Höttges persönlich.


Kult-Schiri Ahlenfelder leitete über 100 Bundesliga-Begegnungen

13 Jahre Bundesligaschiedsrichter

Trotz der Aktion in Bremen, die ihn mindestens in der Region zur Legende gemacht hat – noch heute werden Kneipenbesucher dort bei Bestellung eines "Ahlenfelders" mit einem Pils und einem Malteser bedient – galt der Referee als einer der fähigsten seiner Zunft. Genannter Höttges sagte selbst: "Das war einer, der niemanden bevor- oder benachteiligt hatte, während seiner ganzen Laufbahn."

Zu diesem Image trug dann auch der Umgang mit dem Fauxpas des verfrühten Pausenpfiffs bei. Ahlenfelder gestand seinen Fehler ein und pfiff in den folgenden Spielzeiten unbehelligt, aber voller Begeisterung noch knapp 13 Jahre lang weiter.

Bekannt ist außerdem noch eine weitere unnachahmliche Antwort des Unparteiischen: Als in Kaiserslautern auf dem Betzenberg einmal mehrere Flaschen auf das Spielfeld geworfen wurden, kommentierte Ahlenfelder das Ganze wie folgt: "Die leeren Flaschen sofort zurück! Die Vollen einsammeln, in der Halbzeit werden wir uns lecker einen kredenzen!"

Wolf-Dieter Ahlenfelder wurde 70 Jahre alt und verstarb im August 2014. 

Mats-Yannick Roth

Online-Wettanbieter: bet365 | Interwetten | sportingbet | Tipico Sportwetten