21.04.2017 17:20 Uhr

Als der Rapid-Coach Austrianer war

2017 Chefcoach bei Rapid, 1994 Talent im Angriff der Austria
2017 Chefcoach bei Rapid, 1994 Talent im Angriff der Austria

Auf Rapid-Trainer Goran Djuricin wartet im Wiener Derby am Sonntag (ab 16:30 Uhr im weltfussball-Liveticker) ein ganz besonderes Spiel: Bei der Austria schaffte "Gogo" einst als junges Talent im Angriff den Sprung in den Profikader. Nun wartet sein Ex-Verein auf den neuen Chefcoach der Grün-Weißen.

Grund genug für einen weltfussball-Rückblick auf die Spieler-Laufbahn des Goran Djuricin. Der Wiener wurde am 16. April 1974 als elftes Kind seiner serbisch-kroatischen Eltern geboren. Mit zehn Jahren landete er bei der Fußballsektion der österreichischen Polizeisportvereinigung Wien erstmals bei einem Verein. Etwas später wechselte er dann schon wegen seines großen Talents nach Hütteldorf zum SK Rapid. Im Alter von 16 Jahren kam es aus disziplinären Gründen jedoch zur Trennung.

"Ich habe immer davon geträumt für Rapid zu spielen. Leider hat es damals nicht geklappt, doch dafür bin ich nun eben Trainer der Kampfmannschaft", meint Djuricin, der aber auch sehr stolz auf seine fünf Jahre als Jugendlicher im Rapid-Nachwuchs ist.

"Ham kummst" von Seiler und Speer war nicht nur vor ein paar Jahren ein Hit auf der Rapid-Weihnachtsfeier. Der Text könnte auch sinnbildlich für die Schwierigkeiten von Goran Djuricin in seiner Phase des jugendlichen Sturm und Drangs stehen: "Letzte Nocht, woa a schware Partie fia mi" oder "Waunst amoi zu mia ham kummst, ruaf i di Polizei" sowie "Tatü Tata, Tatü Tata, es geht Tatü Tata, wos wü der Pücha da".

Es ging von Rapid wirklich zurück zur Polizei (später PSV Team für Wien und beheimatet am Dampfschiffhaufen, einer Halbinsel in der Alten Donau/2007 kam es jedoch zur Fusion mit dem Floridsdorfer AC - vom FAC Team für Wien blieb aber nichts mehr übrig was an die ehemaligen "kickenden Kiberer" erinnert).

Branko Elsner und Josef "Pepi" Argauer holten das Sturm-Juwel zu den Veilchen

In Wien hatte das beeindruckende Können des jungen Angreifers und seine Schwierigkeiten beim SK Rapid jedoch auch längst der Erzrivale mitbekommen.

Nach einer haben Saison bei Polizei holten der damalige Austria-Nachwuchschef Branko Elsner sowie Josef "Pepi" Argauer (bei den "Violetten" ein Mann für das spezielle Auge bei Talenten, zudem Legende im Sekretariat und einst "Erfinder" des traditionellen Wiener Stadthallenturniers dessen Sensations-Comeback in der Winterpause gerade hinter den Kulissen geplant wird) das Sturm-Juwel.

Probleme hatte "Gogo" jedoch auch in Violett. Nach einer Saison im U17-Team wollte ihn ausgerechnet die frühere Rapid-Legende Rudi Flögel als U18-Trainer bei der Austria nicht in seine Mannschaft aufnehmen. In seinem stark besetzten Angriff stand u.a. ein gewisser Marcus Pürk (wechselte später von Austria zu Rapid und schlug in Wien-Hütteldorf groß ein - bei der Wahl zum "Krone"-Fußballer des Jahren wählte ein Anhänger der Grün-Weißen damals unter der dort publizierten Devise: 'Wähl nicht Jugo, wähl nicht Türk, wähle Rapid, Marcus Pürk!").
>> weltfussball-Bildergalerie: Wiener Derby - die "Überläufer"

Dann kam Egon Coordes

Abermals kam Djuricin aber in einer schwierigen Phase, der nicht nur von seinen Mitarbeitern heiß verehrte "Herr Argauer" zur Hilfe. Es kam zum Aufstieg in die Austria-U21. In der Kampfmannschaft hieß es zwar unter dem damaligen Chefcoach Josef Hickersberger in der Saison 1993/94 noch "dunsten", aber im Sommer 1994 war es so weit.

Der neue Austria-Trainer Egon Coordes legte sich in Wien mit den eigenen Funktionären, Spielern, Journalisten der größten heimischen Tageszeitung und - natürlich - dem ORF an. Ein Krieg der zum Gaudium vieler neutraler Beobachter noch Monate weiter gehen sollte.

Genau der richtige Mann um Goran Djuricin zum Debüt in der "Ersten" zu verhelfen. Am 27. Juli 1994 durfte der Torjäger von U20-Meister Austria (der traditionsreiche Bewerb mit den Vorspielen vor den Partien der Kampfmannschaft wurde danach leider eingestellt) beim Supercup (inzwischen natürlich in bester österreichischer Tradition ebenfalls eingestellt) erstmals bei den Profis ran.

Bei der 1:2-Niederlage gegen - den damals noch violetten - Meister Salzburg kam der Youngster im Finish statt des neuen Austria-Sturmtanks Mons Ivar Mjelde ins Spiel.
>> Spieldetails vom österreichischen Supercup 1994

Gegen die "Ogris"-Partie chancenlos

Vor Beginn der Bundesliga-Saison ließ der damalige Austria-Manager Peter Müller wissen, dass mit Andi Ogris ein "böser Bube" nicht mehr erwünscht ist. Sein Platz im Kader wurde für den U20-Torschützenkönig der Saison 1993/94 reserviert. Dessen Name? Goran Djuricin. Am 2. August 1994 war es so weit: Beim 1:1-Remis gegen den VfB Mödling (nach einer Fusion mit Admira/Wacker 1997 leider aufgelöst) durfte der Torjäger erstmals im Oberhaus ran und dies gleich in der Startformation.
>> Spieldetails vom Bundesliga-Debüt von Goran Djuricin

Damals hatte aber noch keiner bei der Austria mit der Sturheit eines rothaarigen im Stolz verletzten Publikumslieblings gerechnet. Andi Ogris schaltete Mannschaft (mit seinen Freunden Franz Wohlfahrt, Manfred Zsak, Toni Pfeffer und Arminas Narbekovas), Frau, Fans, Familie, Sekretariat, Vereinsspitze und Medien ein: Erfolgreich. Am 31. August feierte das pardonierte "Enfant terrible" beim 3:1-Heimsieg gegen Salzburg nicht nur wegen seines Treffers ein triumphales Comeback.
>> Ein echter Ogris geht nicht unter
>> Spieldetails vom Austria-Comeback von Andi Ogris

Gleichzeitig der Anfang vom Ende für Goran Djuricin bei der Austria. Gegen die Ogris-"Partie" war das Talent ohne Lobby chancenlos. Nach zehn Bundesliga-Einsätzen (mit einem Treffer) bis Mitte Oktober 1994 sowie zwei Partien im Europacup der Cupsieger (erraten - inzwischen eingestellt - jedoch nicht durch österreichisches Verschulden) gab es keine weitere Möglichkeit mehr.

Ohne Djuricin holte die Austria im Europacup-Achtelfinale an der Stamford Bridge gegen Chelsea nach einer wahren Abwehrschlacht im Hinspiel ein torloses Remis. Es war angerichtet für den Aufstieg ins Viertelfinale. Doch im Prater liefen die Violetten nach einem Eckball in einen Konter, der nicht einmal einer Schüler-Mannschaft passiert. Der 0:1-Rückstand durch John Spencer konnte durch den überragenden violetten Spielmacher Narbekovas zwar noch egalisiert werden, doch ausgerechnet der Ex-Olympiasieger mit der UdSSR ließ im Finish die große Chance auf den 2:1-Sieg und den Aufstieg ins Viertelfinale aus.

Goran Djuricin war da schon längst nicht mehr Teil der violetten Pläne. Verletzungen kamen dazu. Die weiteren Karriere-Stationen in der aktiven Laufbahn? Vorwärts Steyr (beteiligt am Meistertitel in der Saison 1997/98 in der Zweiten Division die inzwischen "Erste Liga" heißt), FC Würnitz, SV St. Andrä-Wördern, FC Kapellerfeld und SV Donau.

Da hatte "Gogo" aber längst seine Trainer-Laufbahn gestartet. Wo? Im Nachwuchs des SK Rapid. Dort ist er inzwischen Trainer der Kampfmannschaft. Ein Kreis schließt sich. Mit einer denkwürdigen violetten Unterbrechung für die Fußball-Geschichtsbücher.

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Christian Tragschitz

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