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Schöttel reist mit großer Vorfreude in USA

ÖFB-Sportchef Schöttel fiebert WM-Abenteuer entgegen
ÖFB-Sportchef Schöttel fiebert WM-Abenteuer entgegen
03. Juni 2026, 07:34

Wenn der Austrian-Flug OS51 am Donnerstag von Wien nach Los Angeles abhebt, wird ein Passagier mit reichhaltiger WM-Erfahrung in der Boeing 777 Platz nehmen. Peter Schöttel war als Spieler bei den Endrunden 1990 und 1998 dabei, nun tritt er als ÖFB-Sportdirektor die Reise in die USA an und verspürt dabei "große Vorfreude und auch Stolz. Weil es nicht selbstverständlich ist, dass man so lang im Spitzenfußball tätig sein kann, und weil es einfach etwas ganz Besonderes ist."

Der Rückflug kann nach Schöttels Geschmack ruhig länger auf sich warten lassen, schließlich hofft er auf ein möglichst erfolgreiches Abschneiden der heimischen Auswahl. Zumindest der Sprung ins Sechzehntelfinale sollte möglich sein, auch wenn der 59-Jährige gegenüber der APA betonte: "Gegen Argentinien kannst du verlieren, mit Algerien bist du auf Augenhöhe, und Jordanien will ich nicht zu stark reden, aber das sind richtige Krieger. Sie haben zwei, drei Topspieler und stehen defensiv sehr gut."

Trotz aller Warnungen weiß auch Schöttel: Der Sprung in die K.o.-Phase ist machbar, möglicherweise geht es noch weiter - was ein Segen für den gesamtösterreichischen Fußball wäre. "Das würde bedeuten, dass wir die aktuelle Euphorie weitertragen, unsere Projekte fortführen und in Ruhe arbeiten können", erklärte der Sportchef. Zudem könnte man dadurch dem spätestens seit Corona eingesetzten Rückgang der Anzahl von Spielern und Funktionären im Amateurbereich entgegenwirken.

ÖFB-Team ließ WM 1990 "auf sich zukommen"

Die Weltmeisterschaften mit Schöttels Beteiligung als Spieler - insgesamt brachte es der Wiener auf fünf Endrunden-Einsätze - verliefen nicht nach Wunsch. Sowohl 1990 als auch 1998 trat man nach der Gruppenphase die Heimreise an. Das Turnier vor 36 Jahren "haben wir ein bisschen auf uns zukommen lassen", gestand Schöttel. Das Team von damals sei allerdings auch jung gewesen, "doch wir haben uns schon ausgerechnet, dass wir weiterkommen".

1998 verlief der Auftakt mit dem 1:1 gegen Kamerun nicht nach Wunsch, danach setzten Diskussionen über die richtige Aufstellung ein. Herbert Prohaska entschied sich zumeist für Andreas Herzog und Toni Polster und gegen die Sturm-Graz-Akteure Ivica Vastic, Mario Haas und Hannes Reinmayr. "Herzog und Polster haben uns zur WM gebracht, aber die drei Sturm-Spieler waren damals überragend. Der Teamchef (Anm.: Prohaska) hat sich für diejenigen entschieden, die uns zur WM gebracht haben. Eine schwierige Entscheidung, ich hätte es wahrscheinlich genauso gemacht", meinte Schöttel.

Theoretisch könnte Ralf Rangnick in eine ähnliche Situation kommen, und zwar dann, wenn arrivierte Akteure mit ihrer Form zu kämpfen haben und andere wie etwa die beiden "Neuzugänge" Paul Wanner und Carney Chukwuemeka in die Startelf drängen. "Aber ich glaube, dass beide wissen, dass sie aktuell definitiv nicht den Anspruch haben, Stammspieler zu sein. Es ist für beide toll, dass sie dabei sind und vielleicht zu Einsätzen kommen", sagte Schöttel.

Rangnick mit vollem Durchgriffsrecht bei A-Team

Die Entscheidung in dieser Angelegenheit obliegt ausschließlich Rangnick. "Das Männer-A-Team ist seine Mannschaft, da kann er frei agieren, und er agiert auch so, wie er es für richtig hält", sagte Schöttel.

Rangnick sei ein Glücksfall für den österreichischen Fußball. "Er ist extrem hartnäckig im Verfolgen seiner Ziele, da lässt er sich von nichts und niemandem abbringen. Er kann auch sehr ungeduldig sein, weil er Dinge einfach sehr rasch so haben möchte, wie er es für richtig hält. Aber er verschließt sich auch nicht einer guten Argumentation", erzählte Schöttel.

Kontakt zu Rangnick "nicht mehr so intensiv wie früher"

Rangnick verstehe es auch, mehrere Personen in seine Entscheidungen einzubeziehen. "Er hat ein Team von Spezialisten in jedem Bereich zu sich geholt, die alle fachlich und menschlich top sind, und auf die er vertraut." Seinen persönlichen Kontakt zu Rangnick bezeichnete Schöttel als "gut, aber nicht mehr so intensiv wie früher. Als Ralf gekommen ist, war der Kontakt natürlich häufiger, weil vieles für ihn neu war. Doch mittlerweile hat er sich seinen Staff zusammengestellt."

Der Teamchef hat laut Schöttel auch die Freiheit, sich zu den politischen Verhältnissen im Austragungsland USA zu äußern - oder eben nicht. "Wenn Ralf irgendwann ein Statement abgeben will, dann wird er es auch tun", meinte Schöttel. Nachsatz: "Aber wir werden versuchen, solche Themen von der Mannschaft fernzuhalten, selbst wenn das manche vielleicht nicht verstehen."

apa