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Athletikcoach Zallinger tüftelt an WM-Matchfitness

Zallinger arbeitet an Fitness der ÖFB-Kicker
Zallinger arbeitet an Fitness der ÖFB-Kicker
03. Juni 2026, 07:33

Abgesehen von allen organisatorischen Herausforderungen hält der Aufenthalt der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Nordamerika auch in puncto Trainingssteuerung einige Tücken bereit. Unterschiedliche Zeitzonen, Temperaturschwankungen, Reisestrapazen - das alles gilt es für Athletikcoach Gerhard Zallinger zu berücksichtigen, wenn es darum geht, die ÖFB-Akteure auf den Punkt genau für die Endrunde matchfit zu machen.

Schon bei der Anreise nach Kalifornien wird nichts dem Zufall überlassen. Zwölf Stunden dauert der Flug von Wien nach Los Angeles, neun Stunden beträgt der Zeitunterschied. Die Kicker werden dazu angehalten, während des Trips möglichst wenig zu schlafen und nach der Landung möglichst lange munter zu bleiben, um einen Jetlag zu vermeiden. "Wir achten darauf, die Spieler schnell und ohne großen Aufwand in einen guten Biorhythmus zu bringen", sagte Zallinger der APA.

Für den Tag nach der Landung ist das erste Training in Santa Barbara um 11.00 Uhr Ortszeit (20.00 Uhr MESZ) angesetzt, in den darauffolgenden Tagen ist 11.30 Uhr angedacht. Der erste Match steigt am 16. Juni um 21.00 Uhr Ortszeit in Santa Clara bei San Francisco - noch in derselben Nacht steht der eineinhalbstündige Retourflug auf dem Programm, im Teamcamp trifft man wohl erst in den frühen Morgenstunden ein. "Dann ist es wichtig, schnell in den Regenerationsrhythmus zu kommen und nicht in einen anderen Tagesrhythmus reinzugleiten", erklärte Zallinger. Das bedeutet: Langes Ausschlafen wird es für die Teamkicker auch bei einem Sieg über Jordanien nicht spielen.

In Kansas wartet auf ÖFB-Team die Hitze

Die Partie in Santa Clara wird bei angenehmen Temperaturen über die Bühne gehen. Das gilt auch für das zweite WM-Match gegen Argentinien, das zwar im heißen Dallas stattfindet, allerdings in einem überdachten und dadurch klimatisierten Stadion. Erst in der dritten Partie dürfte man so richtig Bekanntschaft mit der Hitze machen: Das Duell mit Algerien steht in Kansas City auf dem Programm, immerhin wird erst um 21.00 Uhr Ortszeit angepfiffen.

Zallinger glaubt nicht, dass die Bedingungen im heißen Mittleren Westen ein großes Problem für die ÖFB-Auswahl darstellen werden. "Jeder weiß, wie er zu agieren hat, es ist ja auch Tagesgeschäft der Spieler, wenn sie zum Beispiel mit ihren Clubs bei hohen Temperaturen spielen", meinte der Sportwissenschaftler. "Wichtig ist, die Ernährung und das Trinkverhalten anzupassen und banale Dinge zu beachten, zum Beispiel nicht zu lange in der Sonne zu sein. Es ist auf jeden Fall mehr denn je gefragt, die Basics gut zu erledigen."

Die Basics im täglichen Training bleiben im ÖFB-Team im Vergleich zu den vergangenen Endrunden praktisch unverändert. So tragen die Spieler in sämtlichen Einheiten spezielle, mit GPS-Trackern versehene Westen. Die kleinen Sensoren zeichnen auf, welche Anstrengungen auf die Kicker einwirken und welcher Spieler wie viele Kilometer in welchen Intensitätsbereichen abspult. Dadurch soll gewährleistet werden, dass niemand unterfordert, aber auch nicht überfordert ist.

Verletzungsprophylaxe durch Datenerhebungen

Weitere Informationen über den Zustand der WM-Starter beziehen Zallinger und seine Kollegen im Betreuerstab durch die Auswertung des CK-Wertes, der die Muskelermüdung zeigt. Zu diesem Zweck steht für die Spieler eine tägliche Blutabnahme auf dem Programm. Dadurch könnten Verletzungen wie zum Beispiel Muskelblessuren verhindert werden. "Wir versuchen, minimale Sicherheitsbarrieren aufzubauen, damit die Wahrscheinlichkeit einer Problematik so gering wie möglich ist", erklärte der Sportwissenschaftler.

Obwohl das Nationalteam bis zu seinem WM-Auftaktmatch drei Wochen beisammen ist, spielt Konditionsaufbau in dieser Zeit keine wesentliche Rolle. "Es geht nicht darum, Fitness aufzubauen, sondern darum, dass die Spieler nach einem kurzen Urlaub schnell in Belastbarkeit und Matchfitness kommen", sagte Zallinger.

Daran tüftelt der Oberösterreicher in enger Abstimmung mit den weiteren Mitgliedern des Betreuerstabs wie etwa Teamarzt Michael Fiedler, Reha- und Fitnesscoach Martin Hämmerle und Ernährungswissenschaftler Martin Rinderer. Die Zusammenarbeit funktioniere außerordentlich gut, betonte Zallinger. "Wir haben ein sehr breites Erfahrungsspektrum in unserem Team."

Zallinger längstdienendes Mitglied des ÖFB-Betreuerstabs

Was die Turniererfahrung betrifft, kann aber niemand mit Zallinger mithalten - der Athletikcoach war schon bei der EM 2016 mit von der Partie und steht nun vor seinem vierten großen Turnier mit der A-Auswahl. "Seit 2016 hat sich die Technologisierung ordentlich weiterentwickelt, auch in der physiologischen Spielanalyse greifen wir auf ganz andere Daten-Pools zurück. Das Investment in die Spiel-Vor- und -Nachbereitung ist deutlich höher geworden", erzählte Zallinger.

apa