14.09.2020 12:44 Uhr

"Rassist!": Neymar wütet nach Skandalspiel

PSG-Star Neymar erhebt schwere Rassismusvorwürfe gegen OM-Verteidiger Álvaro González
PSG-Star Neymar erhebt schwere Rassismusvorwürfe gegen OM-Verteidiger Álvaro González

Nach der brutalen Fetzerei in der Nachspielzeit des Ligue-1-Schlagers zwischen Paris Saint-Germain und Olympique Marseille liefern sich PSG-Superstar Neymar und OM-Verteidiger Álvaro González eine nächtliche Twitter-Schlacht.

Skandalspiel in Paris zwischen PSG und Olympique Marseille: Neymar sieht Rot und erhebt unter wüsten Beschimpfungen Rassismusvorwürfe. Der "großen Keilerei" auf dem Platz folgt eine denkwürdige Twitterschlacht. Seine unbändige Wut auf den angeblichen "Rassisten" Álvaro González raubte dem zornigen Superstar Neymar den Schlaf. "Ich respektiere dich nicht!", giftete der völlig entrüstete Brasilianer um 3:50 Uhr morgens vìa Twitter: "Du hast keinen Charakter! Sei ein Mann!" Dann klagte der aufgebrachte Ausnahmekicker das "Arschloch" nochmals in Großbuchstaben an: "RASSIST!" Seine wüste Tirade versah er mit drohend erhobener Faust.

Es war der vorläufige Tiefpunkt einer denkwürdigen Fußballschlacht, die schon jetzt die Bezeichnung "Skandalspiel des Jahres" rechtfertigt. Schläge, Tritte, Spuckattacken. Fünf Platzverweise in der Nachspielzeit, darunter Rot für Neymar nach einem Schlag auf González' Hinterkopf. Ein handfester Rassismuseklat und andere wüste Beleidigungen. Bei der 0:1-Niederlage von Paris St. Germain in "le Classique" beim Erzrivalen Olympique Marseille zeigte das schöne Spiel sein hässliches Gesicht.

Die Zeitung "Le Parisien" sah einen "Straßenkampf", der Spielbericht im Fachblatt "L'Équipe" ("Die große Keilerei") las sich wie ein Asterix-Comic. Neymar beschwerte sich beim völlig überforderten Schiedsrichter Jérôme Brisard schon während der ersten Hälfte mehrfach vergeblich über González ("Rassismus, nein?!"). Dieser rief ihm laut französischem TV beim wilden Gemetzel in der Schlussphase zu: "Halt deinen Mund, du dreckiger Affe!"

Neymar war ebenso wütend wie fassungslos, beim Gang in die Kabine schimpfte er verzweifelt: "Er ist ein Rassist!" Und bei Twitter legte er so richtig los. Um 0:41 Uhr schrieb der 28-Jährige wutschnaubend: "Das Einzige, was ich bedauere, dass ich diesem Arschloch nicht ins Gesicht geschlagen habe." González habe ihn "Affensohn einer Hure" genannt.

Álvaro González: "Es gibt keinen Rassismus"

Der Spanier konterte rund eine Stunde später mit einem Foto, das ihn im Kreise mehrerer schwarzer Teamkollegen ("Familie") zeigt. "Es gib keinen Platz für Rassismus", lautete sein süffisanter Kommentar, dann stichelte er gegen Neymar: "Manchmal muss man lernen zu verlieren." Das brachte den Superstar erst recht auf die Palme, es folgte die empörte Reaktion zu nachtschlafender Zeit.

"Rassismus darf es nicht geben", sagte PSG-Coach Thomas Tuchel, "ob in der Gesellschaft, im Fußball, im Sport, im Leben". Allerdings habe er "nichts gehört", auch der Unparteiische nicht. OM-Trainer André Villas-Boas meinte nur, er traue dem "erfahrenen" González Rassismus nicht zu - und verwies auf die Spuckattacke von Ángel di María auf den 30-Jährigen.

Diashow: Kampfszenen im Skandalspiel

Die wilden Szenen in der Nachspielzeit, in der auch Layvin Kurzawa (PSG) und Jordan Amavi (OM) Rot sowie Leandro Paredes (PSG) und Darío Benedetto (OM) Gelb-Rot sahen, hätten ihm "nicht gefallen", ergänzte Tuchel: "Es wäre besser gewesen, ruhig zu bleiben."

Er selbst bewahrte trotz des mit jetzt zwei Niederlagen schwächsten Saisonstarts seit 1984 und der ersten Klassiker-Pleite seit 2011 die Fassung. "Wenn wir so weitermachen, werden die Ergebnisse kommen", behauptete Tuchel und sprach von einer "außergewöhnlichen Leistung". Auch Neymar habe es beim Comeback nach seiner Corona-Infektion gut gemacht.

Ohne die gesperrten Stars werde Paris in den nächsten Wochen "leiden" müssen, prophezeite Tuchel. Am Mittwoch gegen Metz und Sonntag in Nizza müssen er und seine Mannschaft liefern - ohne den fuchsteufelswilden Neymar.

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