06.11.2019 11:47 Uhr

"Hab' mir das durch meine Arbeit verdient"

Romano Schmid ist mit 19 Jahren Leistungsträger beim WAC
Romano Schmid ist mit 19 Jahren Leistungsträger beim WAC

Im zarten Alter von 19 Jahren ist Romano Schmid aus der Kreativabteilung im Mittelfeld des Wolfsberger AC nicht wegzudenken. weltfussball hat das Offensivtalent zwischen den wichtigen Spielen gegen Sturm Graz und Başakşehir zum Interview gebeten.

Als Romano Schmid vor zweieinhalb Jahren unter dem heutigen Teamchef Franco Foda sein Profidebüt für Sturm Graz gab, schreib der junge Steirer Bundesliga-Geschichte. Mit seiner Einwechslung am 28. Mai 2017 wurde Schmid zum ersten Spieler in Österreichs Oberhaus, der nach dem 1. Jänner 2000 geboren wurde.

>> Romano Schmids Karrierestatistiken in der weltfussball-Datenbank

Vergangenen Samstag erzielte der inzwischen 19-Jährige in der Merkur-Arena ausgerechnet gegen die Grazer sein erstes Tor in dieser Saison. Ein Treffer, für den "es schon Zeit geworden ist", wie er im Interview mit weltfussball verrät. Inzwischen kickt der verlorene Sohn des SK Sturm als Leihspieler von Werder Bremen beim Wolfsberger AC, mit dem er am Donnerstagabend gegen İstanbul Başakşehir auch wieder in der Europa League auflaufen wird.

>> Liveticker: Wolfsberger AC gegen İstanbul Başakşehir

Dazwischen fand Schmid Zeit für ein Gespräch über das Gefühl, als Teenager in Mönchengladbach oder gegen die Roma auf dem Platz zu stehen, seine aktuelle Hochform als Frucht harter Arbeit, das Geheimnis, der Doppelbelastung Herr zu werden und über jene Bereiche im Spiel, in denen sich der WAC nach dem Weggang von Christian Ilzer unter dessen Nachfolger Gerhard Struber weiter verbessert hat.

weltfussball: Nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg habt ihr am Sonntag gegen Sturm wieder voll angeschrieben. Ein wichtiger Erfolg zum richtigen Zeitpunkt?

Das kann man schon so sagen. Insgesamt war es eine richtig gute Leistung, auch wenn Sturm Graz in den ersten 20 Minuten richtig stark war. Aber nach dem 1:0 haben wir das Spiel komplett in die Hand genommen und auch in dieser Höhe verdient gewonnen.

Du hast bei deinem Tor zum zwischenzeitlichen 0:2 nicht gejubelt, als die Mitspieler kamen, um dich zu beglückwünschen, war dir die Freude aber anzusehen. Wie war es für dich, gegen deinen Ausbildungsverein zu treffen?

Gefreut hab' ich mich irrsinnig, das muss ich schon sagen. Ich hab' in den ersten zwölf Runden kein Tor gemacht, da war ich irgendwann schon richtig nervös. Es ist schon Zeit geworden. Aber ich habe nicht gejubelt, weil ich sehr dankbar bin für das, was mir Sturm gegeben hat und ich bin froh, dass ich früher bei Sturm Graz war.

Am Donnerstag wartet in der Europa League die nächste spannende Aufgabe. Gegen Başakşehir muss wohl ein Sieg her, um die Chance auf die K.o.-Runde aufrecht zu halten. Wie schätzt du die Partie ein?

Grundsätzlich sind wir in jedem Spiel Außenseiter. Aber wir haben gezeigt, dass wir in jedem Match mithalten können. Vor allem auch im Hinspiel gegen Başakşehir, die waren nicht wirklich besser als wir. Wir haben uns im letzten Drittel nicht gescheit durchgespielt, der letzte Pass hat teilweise gefehlt oder ist nicht zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Mit 100 Prozent Einsatz und Leidenschaft haben wird definitiv eine Chance. Unser Ziel ist es natürlich, auch gegen Başakşehir zu gewinnen.

Du bist erst 19 Jahre alt. Was ist es für ein Gefühl, als so junger Spieler, in Gladbach oder gegen die Roma aufzulaufen?

Es ist für jeden Spieler von uns etwas Besonderes! Ich weiß, dass ich noch sehr jung bin, aber ich habe trotzdem schon bewiesen, dass ich da mitspielen und auch in meinem Alter Akzente setzen kann.

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Du hast in dieser Saison leistungsmäßig zur Konstanz gefunden, davor hast du dir etwas schwer getan. Hast du im Sommer irgendetwas verändert oder umgestellt im Vergleich zu früher?

Nein. Ich habe, seit ich zu Salzburg gegangen bin, immer das Gleiche gemacht. Im Fußball gehört auch das Quäntchen Glück dazu und wenn man hart arbeitet, an sich glaubt und sich so Selbstvertrauen aneignet, sieht man, dass das was werden kann. Genau das hab' ich letzte Saison gemacht, als ich beim WAC nicht so viel gespielt habe. Ich hab' einfach jeden Tag gearbeitet, das hat jeder gesehen. Ich glaube, ich hab' mir das durch meine Arbeit verdient und bin jetzt umso glücklicher darüber, wie es zur Zeit läuft.

Trotz vieler englischer Wochen rotiert ihr auch in der Meisterschaft sehr wenig. Die Doppelbelastung scheint bei euch kein Thema zu sein.

Wir regenerieren richtig gut und ich glaube, dass bei uns jeder zu 100 Prozent fit im Kopf ist. Das ist das Wichtigste. Jeder von uns schafft es, sich zu überwinden, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Wenn du im Kopf freischaltest, damit du fit bist und dir quasi einredest, dass du nicht allzu müde bist, dann merkst du gleich, dass das von den Beinen auch übernommen wird.

Du hast in dieser Saison schon 18 Pflichtspiele in den Beinen. Merkst du die Anstrengungen jetzt deutlicher als zu Beginn der Spielzeit?

Ich hatte bist vergangenen Sommer nicht viel gespielt, war zuerst bei Liefering verletzt und bin dann im Frühjahr beim WAC meistens nur reingekommen. Da hab' ich es eigentlich am Anfang der Saison - in den ersten englischen Wochen - eher gemerkt, dass es schon anstrengend ist. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper daran. Es gibt ja für einen Fußballer nichts Cooleres, als so oft zu spielen. Deshalb freue ich mich jedes Mal und glaube schon, dass ich nach wie vor fit bin.

Der WAC hat sich als Topmannschaft in der Bundesliga etabliert. Warst du überrascht, dass es nach dem Trainerwechsel im Sommer weiter so gut funktioniert?

Nein, denn ich kenne Herrn Struber schon vom FC Liefering und weiß, dass er ein super Trainer ist. Natürlich ist es auch ein Stück weit Christian Ilzer zu verdanken, mit dem wir letzte Saison so gut waren. Ich glaube aber auch, dass wir uns jetzt in einigen Bereichen noch einmal verbessert haben und deswegen war es für mich keine große Überraschung, dass es so weitergeht.

In welchen Bereichen habt ihr euch verbessert?

Im Positionsspiel sind wir besser, in der Restverteidigungen stehen wir gut und bekommen gleich wieder Druck auf den Ball, wenn wir ihn verlieren.

Und der Kader, den man beim WAC aufgestellt hat, kann sich sehen lassen.

Die Verantwortlichen machen einen guten Job. Es sind richtig geile Kicker dabei, vor allem unser Mittelfeld. Wie das mit den Stürmern kombiniert oder wie wir teilweise von hinten rausspielen. Das passt alles ziemlich gut zusammen, da muss man den Verantwortlichen ein Lob aussprechen.

Du bist seit letzten Winter von Werder Bremen an den WAC verliehen. Sehen wir dich nächste Saison in der deutschen Bundesliga?

Es ist zu früh, darüber zu reden. Natürlich ist es mein großes Ziel, nächstes Jahr bei Werder Bremen im Kader zu stehen und dort den nächsten Schritt zu machen. Aber jetzt konzentriere ich mich nur auf den WAC. Würde ich jetzt schon nach vorne schauen, würde das meine Leistung beeinflussen und das mache ich auf keinen Fall. Ich schaue, dass ich hier meine Leistung bringe und das andere kommt von selbst. Ich versuche einfach, mich anzubieten, richtig gut zu spielen und dem WAC mit meiner Qualität zu helfen.

David Mayr

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