"Wollen gewinnen": Österreich ohne Furcht vor Oranje

Zur Vorbereitung auf den Endspurt ums EM-Achtelfinale schickt Ralf Rangnick seine Österreicher zum Baden. Im Gruppenfinale gegen die Niederlande ist ein kühler Kopf gefragt.
"Bademeister" Ralf Rangnick lachte, als sich seine Österreicher ins kühle Nass stürzten. Wie kleine Kinder planschten Michael Gregoritsch, Christoph Baumgartner und Co. im Berliner Schlachtensee, ausgelassen köpften sie ein paar Bälle hin und her. Vor dem spannenden Gruppen-"Endspiel" um das EM-Achtelfinale nahm der deutsche Teamchef ganz bewusst den Druck raus.
Im Vorfeld des entscheidenden Duells am Dienstag (18:00 Uhr/RTL und MagentaTV) mit den Niederlanden im Berliner Olympiastadion sind die Euphorie aber auch die Erwartungen in der Heimat groß.
Nach dem tollen 3:1 gegen Polen ist die zweite K.o.-Runde bei einer EM nach 2021 so nah - auch die Spieler fordern gegen den Favoriten das Maximum von sich. "Wir wollen auch dieses Spiel gewinnen", sagte Marcel Sabitzer: "Sie sind eine sehr gute Mannschaft, die mit Ball Qualitäten hat. Wir brauchen Intensität."
Rangnick hatte bereits zuvor gemahnt, dass sein Team "noch nicht durch sei" und mindestens einen Punkt "schon noch brauchen werde", weshalb er seinen Spielern am Sonntag zumindest eine kleine Auszeit gönnte, um die Akkus aufzuladen. Statt zum geplanten Training auf dem Gelände von Hertha BSC ging es an den 21 Grad warmen See im Südwesten der Hauptstadt.
Österreich will "vollkommen auf Sieg spielen"
Am Montag, dem Geburtstag des verletzten Kapitäns David Alaba, der bei der EM als eine Art Co-Trainer fungiert, stellte Rangnick dann wieder auf die Niederlande scharf. Dabei sprechen die Zahlen nicht wirklich für sein Team. Seit 34 Jahren wartet die Alpenrepublik auf einen Sieg gegen die Elftal, ein 3:2 im Test vor der WM 1990 war der bis dato letzte Erfolg - und zuletzt gingen sieben Partien nacheinander verloren.
Trotzdem kennt das Rangnick-Team keine Furcht. "Gegen große Nationen wie Holland hat jeder noch ein, zwei Prozent mehr zu geben, weil wir zeigen wollen, wie gut wir wirklich sind und dieses Team auch schlagen können", sagte Werder Bremens Romano Schmid. Mit einem Erfolg am Dienstag stünde Österreich (drei Punkte) sicher im Achtelfinale.
Sogar der Sieg in der Gruppe D wäre noch möglich, falls Frankreich parallel gegen die bereits ausgeschiedenen Polen nicht gewinnen sollte. Bei einem Remis oder einer Pleite gegen die Niederlande, die wie die Franzosen bei vier Zählern stehen, müsste die ÖFB-Elf darauf hoffen, als einer der vier besten Gruppendritten weiterzukommen.
Obwohl es auch hier gut für die Österreicher aussieht, wollen sie ihr Glück nicht überstrapazieren. "Wir werden vollkommen auf Sieg spielen", sagte Wolfsburgs Patrick Wimmer, "und dann mit sechs Punkten Zweiter werden." Für den kühlen Kopf, den es auf dieser heiklen EM-Mission braucht, hat Ralf Rangnick gesorgt.